Archiv für "Medien"

Barbarisch

27. Feb. 2009 · 2.180 mal gelesen | Kommentar schreiben »

Am Dienstag hat das Landesarbeitsgericht Berlin geurteilt, dass die fristlose Entlassung einer Kassiererin rechtens ist, auch wenn sie nur Pfandbons im Wert von 1,30 Euro unterschlagen hat.

Dieses Urteil hat einigen Wirbel verursacht. Die Zeitung mit den großen Buchstaben hat der Geschichte eine Titelseite gewidmet. Und auch sonst kann man fast überall von dem Fall lesen und hören.

Gestern hat sich jetzt auch Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) zu Wort gemeldet:

„Das ist ein barbarisches Urteil von asozialer Qualität“

Es verletze das Gerechtigkeitsempfinden, dass die Frau „wegen einer Nichtigkeit“ entlassen werde (Stuttgarter Nachrichten).

Herr Thierse hat übersehen, dass es ‚das Gerechtigkeitsempfinden‘ nicht gibt. Jedes Empfinden, so auch das Gerechtigkeitsempfinden, ist immer subjektiv.

Mein subjektives Gerechtigkeitsempfinden wird dadurch verletzt, dass es anscheinend eine Nichtigkeit sein soll, das Eigentum anderer zu entwenden. Diebstahl ist keine Nichtigkeit. Für mich spielt es dabei keine Rolle, ob es sich um 1,30 Euro oder sonst irgend einen Betrag handelt.

In unserer Gesellschaft ist Ehrlichkeit sehr selten geworden. Völlig normal und weit verbreitet sind dagegen kleine oder große Tricksereien bei der Steuererklärung, Nebenverdienste oder geringere Kosten durch Schwarzarbeit, kleinere oder größere Missachtungen von Eigentumsverhältnissen usw. usw.

Einen Diebstahl und den dazu gehörigen Vertrauensverlust als Nichtigkeit zu bezeichnen, ist in meinen Augen nichts anderes als Anstiftung zum Diebstahl. Das Urteil des Gerichtes, das sich auf bestehendes Recht beruft, als barbarisch zu bezeichnen, ist ein Schlag ins Gesicht der Richter.

Selbst wenn hinter dem Fall mehr stehen sollte als nur die 1,30 Euro (wie bei Spiegelfechter zu lesen ist), selbst dann bleibt der Beitrag von Wolfgang Thierse eine populistische Peinlichkeit.

And the Oscar goes to…

23. Feb. 2009 · 2.155 mal gelesen | Kommentar schreiben »

Nein, ich möchte nicht damit prahlen, dass ich in meiner Vorschau auf das Jahr 2009 den hochroten Kopf von Uli Hoeneß nach dem Spiel gegen Köln genauso richtig vorhergesagt habe, wie den Oscar für einen deutschen Film.

Ich möchte auch nicht weiter auf die Oscar-Verleihung in der vergangenen Nacht eingehen – das können andere sicher eindrücklicher beschreiben. Ich finde Oscar-Verleihungen eh nicht so sonderlich interessant – abgesehen von einigen wenigen Momenten, die man nie vergessen wird.

Allen voran der unvergleichliche Auftritt von Roberto Benigni, als er 1999 den (hochverdienten) Oscar für ‚La Vita è bella‚ als bester fremdsprachiger Film überreicht bekam:

benigni

Legendär seine Klettertour über die Sitze seiner Kollegen und seine Dankesrede für seine Eltern:

„And also I want to thank my parents […] They gave me the biggest gift: Poverty“

Wie gesagt: ein unvergesslicher Moment.

Schämt euch

20. Feb. 2009 · 2.250 mal gelesen | Kommentar schreiben »

Ich habe noch nie etwas dafür übrig gehabt, wenn Leute sich bei der Überlegung, wann sie fröhlich sind und wann nicht, nach dem Kalender richten. Schon als Kind konnte ich mit Fasching (oder Fasnet, Karneval oder wie auch immer man sagen mag) nicht viel anfangen.

Es ist nicht so, dass ich militanter Pappnasen-Gegner wäre. Aber ich kann dem „närrischen Treiben“ einfach überhaupt nichts abgewinnen. Normalerweise fällt es mir leicht, dass ganze weit gehend zu ignorieren. Manchmal klappt das aber auch nicht. Seit Dienstag überlege ich mir, ob und wenn ja wie ich es schaffen kann, eine der größten Fastnachts-Peinlichkeiten aller Zeiten zu ignorieren.

Sorry, ich habe es nicht geschafft, einfach darüber hinweg zu sehen. Ich schaffe es nicht, dazu zu schweigen. Ich muss es laut hinaus schreiben schreien:

Schämt euch!

narrinarro

Warum um alles in der Welt muss man für Rinderhüftsteak mit ‚Narri-Narro‘ werben?

Was denken wohl die Angehörigen, wenn sie unmittelbar neben der Todesanzeige ihrer lieben Mutter, Oma… den Jubel-Schrei ‚Narri-Narro‘ lesen müssen?

Wie hirnlos pietätslos muss man sein, die beiden Anzeigen direkt nebeneinander zu setzen?

Für mich einfach unverständlich!

Reibungslos

14. Feb. 2009 · 2.113 mal gelesen | Kommentar schreiben »

Nach der Erfahrungen am gestrigen Tag bin ich natürlich sensibel für so etwas – vielleicht sogar übersensibel.

Aber es ist nun mal auch heute ein Wintertag mit Neuschnee und glatten Straßen. Ist es da aus der Sicht eines Radiosprechers wirklich sinnvoll, den Hörern im Anschluss an die Verkehrsnachrichten folgenden guten Wunsch mit zu geben:

Ich wünsche ihnen allen eine reibungslose Fahrt.

Hoffentlich hat er das nicht wörtlich gemeint.

Frage des Tages (2)

12. Feb. 2009 · 1.828 mal gelesen | Kommentar schreiben »

Die Frage des Tages war problemlos zu verstehen, einfach zu beantworten und trotzdem im Zusammenhang (bzw. in ihrer Zusammenhangslosigkeit) eher außergewöhnlich.

Eine Kundin fragte mich:

„Herr Bauer kennen sie freche Mädchen?“

Ich habe kurz gestutzt und dann nachgedacht, ob ich antworten soll: ‚Ja, klar kenne ich freche Mädchen‚. Aber ich glaube nicht, dass sie daran interessiert gewesen wäre.

Es was etwas ganz anderes, was die Kundin wollte:

A propos Wurst…

6. Feb. 2009 · 2.558 mal gelesen | Kommentar schreiben »

A propos Wurst:

einen genialen Fund hat Konna von der Gedankendeponie beim Blättern im Fernsehprogramm gemacht.

Es gibt wahrscheinlich einen Gott

24. Jan. 2009 · 2.646 mal gelesen | Kommentar schreiben »

Ich gehe nicht davon aus, dass Martin Wolf bei diesem Beitrag von mir abgeschrieben hat. Ich hab mich gefreut, dass auch andere ähnliche Gedanken haben wie ich.

Im Radio liefen eben die SWR3 Gedanken. Martin Wolf von der Katholischen Kirche machte sich Gedanken zu den Bussen in Großbritannien mit der Aufschrift „There’s probably no God. Now stop worrying and enjoy your life.“

Seine Gedanken sind unter diesem Link nachzulesen. Er schreibt:

„…Das Leben, das ich kenne, ist aber leider nicht immer nur der reine Genuss. Da gibt’s auch längere Durststrecken und weniger rosarote Zeiten. Genau die sind es aber, in denen mich mein Glaube trägt…“

Und wie ich kommt er zu dem Schluß:

„Es gibt (wahrscheinlich) einen Gott. Also hör auf dir Sorgen zu machen und genieße dein Leben.“

Ja ja ja

22. Jan. 2009 · 2.736 mal gelesen | Kommentar schreiben »

Der 44. ist im Amt.
Der 43. ist gegangen.

Man hat viel gesehen von der Begrüßung des Neuen, aber (fast) nichts von der Verabschiedung des Alten.

Wenn man sieht, wie seine Amtskollegen mit ihm umgegangen sind, fällt es leicht zu vermuten, dass George W. Bush nicht sehr überschwänglich verabschiedet wurde und dass ihn kaum einer wirklich vermissen wird. Außer vielleicht ein paar Comedians und Parodisten. Denen hat er immer genügend Futter geliefert.
Ich erinnere nur an:

  • „They are West Texas girls just like me“
  • „I believe, what I believe is right“
  • „They missunderestimated me“
  • „Not one doubt in my mind that we will fail“

und viele weitere mehr.

Der Neue, Barak Obama, hat bisher nur ein Zitat für die Ewigkeit geliefert. Diesen Satz hat er in den letzten Wochen sicher mehrere hundert Mal wiederholen müssen: „Yes we can“

Diese Floskel -bisher nur heiße Luft, ohne Substanz- haben die Berlitz Sprachschulen (bzw. deren Werbeagentur) zum besten Werbeslogan des Jahres (wenn nicht gar des Jahrzehnts) inspiriert.

(Gefunden bei Textguerilla)

Theologie-Studenten wissen es: unter dem englischen „yes“ und dem französischen „oui“ steht ganz unten das hebräische Wort „ken“, was auch „ja“ heißt.

Ausgesprochen also „Yes we can“.

Bleibt die Hoffnung, dass Obamas „Yes we can“ mehr ist, als nur dieses „Ja ja ja“ – was sich ein wenig wie „bla bla bla“ anhört.

Bleibt die Hoffnung, dass Obama am Ende seiner Amtszeit mehr hinterlässt als nur skurile Zitate.

Gute Ansätze sind ja schon erkennbar. Auch wenn es keine eigenen Ideen sind, sondern nur das Versprechen, dass er versucht, die Fehler seines Vorgängers auszubügeln.

Aber das ist ja schon schwer genug…

Ich habe es schon immer gewusst

16. Jan. 2009 · 2.686 mal gelesen | 2 Kommentare »

Ich habe es schon immer gewusst…

Warum und wie auch immer hat das Wallstreet-Journal letzte Woche eine Liste der Besten und schlechtesten Berufen (Best and worst jobs) aufgestellt.

Und …. *Trommelwirbel* … was steht auf Platz 1 ? *Noch immer Trommelwirbel*

„The Best and Worst Jobs
Of 200 Jobs studied, these came out on top:
The Best
1. Mathematician

Auch wenn in der Studie sicher nicht gerade Mathe-Lehrer und schon gleich garnicht Mathe-Nachhilfe-Lehrer gemeint sind, fühle ich mich trotzdem angesprochen.

Manchmal hört man von einer Schülerin nach langem Kampf völlig unvermittelt: „Das Thema macht ja richtig Spaß!“. Und in solchen Momenten würde ich meinen Beruf auch auf Platz 1 setzen.

Zumindest weit, weit vor dem Platz 200 – dem Waldarbeiter.

Obwohl: ist ‚Lumberjack‘ nicht doch auch ein Traumjob?

Ehrlich währt am längsten

5. Jan. 2009 · 1.724 mal gelesen | Kommentar schreiben »

Was würdest du tun?

Der Ex-Junkie David Vuvan hat bei einer Haushaltsauflösung in einem Wäschetrockner 120.000 Euro gefunden. Geld das sicher niemand vermisst.
120.000 Euro, hundertzwanzigtausend Euro! Man muss sich das vorstellen: das sind zehn Jahre lang jeden Monat 1000 Euro extra, einfach so. Unheimlich viel Geld – nicht nur für einen Harz IV-Empfänger. Wahrscheinlich hat er noch nie so viel Geld gesehen.

Was würdest du tun?

Vuvan behält das Geld nicht für sich. Er gibt die 120.000 Euro ab.

Die Leser der SHZ haben David Vuvan zum „Menschen des Jahres 2008“ gewählt.

Es ist einfach eine schöne Geschichte, die man dort lesen kann: vom kriminellen Junkie, der bei der Therapie zu Gott gefunden hat. „Gott hat mich verändert und das Böse aus meinem Kopf und meinem Herzen verbannt“
Wahrscheinlich hätte sich jeder andere in der Situation überlegt, was man mit so viel Geld machen könnte, ob man es nicht doch behalten könnte. Auch Vuvan hat davon geträumt. Er sagt: „Aber ich bin stark geblieben. Darauf kann ich mein Leben lang stolz sein.“

Allerdings!

(gefunden bei Zeitsturz)