Erfolgsprämie
5. Jul. 2009 · 234 mal gelesen | 3 Kommentare »
Als Nachhilfelehrer berechne ich einen festen Stundensatz und z.T. noch einen Zuschlag für die Anfahrt. Schon seit einiger Zeit überlege ich mir, ob ich nicht besser weg käme, wenn ich einen niedrigeren Stundensatz und zusätzlich eine Erfolgsprämie verlangen würde. Meine, bzw. die Erfolge meiner Schüler sprechen nämlich für sich.
Ich überlege mir noch, wie ich das praktisch umsetzen könnte und freue mich in der Zwischenzeit darüber, dass eine Schülerin mein Vorhaben schon praktisch umgesetzt hat: aus Freude über ihre 1,4 in der schriftlichen Prüfung und dem “Sehr gut” im Abschlusszeugnis hat sie mir nämlich gestern unerwartet meine Erfolgsprämie vorbei gebracht:
Die Eins hat sie nicht nur in Mathe, sondern auch im Kuchenbacken verdient!
Zitat des Tages: Selbständig
19. Jun. 2009 · 299 mal gelesen | 2 Kommentare »
Zu der Nachhilfe-Geschichte von gestern, heute noch ein weiter führender Gedanke:
Das Ziel der Erziehung sollte sein,
dem Kinde zu ermöglichen, später ohne Lehrer weiterzukommen.
Elbert Green Hubbard
(19. 6. 1859 - 7. 5. 1915)
Ziel von Nachhilfe-Unterricht muss genau dasselbe sein. Nachhilfe darf normalerweise nicht mehr sein, als eine zeitlich begrenzte Hilfestellung. Nachhilfe sollte nicht zu einer Dauereinrichtung werden, sondern nur Anleitung sein, wie der Schüler selbst weiterkommt.
Bildung für alle
18. Jun. 2009 · 267 mal gelesen | 4 Kommentare »
Unter meinen Nachhilfeschülern gibt es einige, die sind top motiviert und wollen etwas lernen bzw. zeigen den Willen ihre Noten zu verbessern. Andere haben überhaupt keine Lust. Man merkt das meistens schon daran, dass den ersten Kontakt die Eltern machen.
“Mein Sohn braucht Nachhilfe” zeigt eine ganz andere Motivation als “Ich möchte Nachhilfe”.
Ich habe da z.B. einen Kandidaten, 10. Klasse Gymnasium, der bisher keinerlei Anzeichen dafür zeigt, dass ihm Mathe irgendwie wichtig sein könnte. In der Schule tut er gerade mal das Nötigste (eher weniger) und auf die Idee selbständig etwas zu üben, ist er noch nie gekommen. Sein Vater ist derjenige, der möchte, dass er Nachhilfe bekommt. Der Junior sieht das weniger als Hilfe, eher als eine Art Bestrafung.
Gestern hat er mir vor seiner Nachhilfestunde ganz stolz erzählt, dass er am Morgen nicht in die Schule musste, weil er auf einer Demonstration war. Damit ich auch Bescheid weiß, um was es ging, ist er durch das Zimmer marschiert und hat skandiert:
“Bildung für alle und zwar umsonst!”
Ich bin froh, dass ich in solchen Situationen ein Typ mit eher überdurchschnittlicher Selbstbeherrschung bin, sonst hätte ich mich vielleicht nicht zurückhalten können und hätte ihm erklärt:
“Seit zehn Jahren wird dir Bildung angeboten – und zwar umsonst! Und wenn du nicht so unglaublich faul wärst, sondern deinen Hintern ein klein wenig hoch bekommen würdest, bräuchtest du jetzt keine Nachhilfe – und die ist ganz sicher nicht umsonst!”
Nee, ich habe nichts gesagt, sondern mich nur still schmunzelnd daran erinnert, was ich (via Lonesomewalker) in der Titanic über den Bildungsstreik gelesen habe:
“Dieser Bildungsstreik läuft bereits im zehnten Jahr! Zu den prominentesten Gründungsmitgliedern zählen Reinhold Beckmann, Sonya Kraus, Mario Barth, Axel Schulz…”
Mathe für Anfänger (8)
27. Mai. 2009 · 263 mal gelesen | 3 Kommentare »
Und auch heute wieder ein weiterer Teil aus der Reihe “Mathe für Anfänger“.
Heute: “Multiplikation mit Zehnerpotenzen”.
- Möchte man eine ganze Zahl mit 10 multiplizieren, so fügt man einfach eine Null an. ‘Zehnmal mal so viel wie’ oder ‘das Zehnfache von’ 4400 ist also 44000.
- Soll die Zahl mit 100 multipliziert werden, fügt man zwei Nullen an. 440000 ist also ‘hundert mal mehr’ als 4400.
- Werden drei Nullen angefügt, so entspricht dies dem Faktor 1000. 100000000 ist also das Tausendfache von 100000.
- Sind mehr als drei Nullen im Spiel, befindet man sich wohl in der Redaktion von Stern.de, wo man am Samstag diesen Artikel veröffentlicht hat:

Anscheinend hat man aber über das Wochenende Nachhilfe bekommen und bemerkt, dass bei so vielen Nullen doch etwas schief gelaufen sein könnte. Der Artikel hat jetzt einen Fehler weniger und sieht so aus:

Man hat sich bemüht…
[via]
Nachtrag: bei Spiegel Online hat man auch Probleme mit Nullen oder falschen Stellen:
“Der erste Transfer aus der Bundesliga, für den eine zweistellige Summe überwiesen wurde, war der von Jörg Heinrich, der 1998 für 12,5 Millionen Euro vom BVB nach Florenz transferiert wurde.”
Ein Auge zugedrückt
21. Mai. 2009 · 269 mal gelesen | 1 Kommentar »
Eine Nachhilfe-Schülerin hat gestern eine Klassenarbeit zurück bekommen. Wir haben sie gemeinsam durchgeschaut. In Aufgabe 4 hat sie eine Gleichung gelöst:
[...]
0 = 1 – x | + x
x = – x | : (- x)
x = 1
Bevor mich jemand danach fragt: Nein, ich habe ihr das nicht so beigebracht.
Die Lehrerin hat sich vermutlich nur die Lösung angeschaut, einen Haken dran gemacht und einen Punkt dafür gegeben.
Natürlich sind wir die Aufgabe nochmal durchgegangen, und ich hab die Schülerin gefragt: “Was hast du denn da gemacht? Also den Punkt hast du ja wohl geschenkt bekommen.”
Ihre Antwort darauf war interessant. (Und bevor mich jemand danach fragt: Nein, ich habe ihr auch den Umgang mit Redewendungen nicht so beigebracht.)
Die Schülerin hat geantwortet:
“Da hat sie mir wohl ein Auge zugedrückt”
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Nachhilfe nötig
30. Apr. 2009 · 227 mal gelesen | 2 Kommentare »
In der Online-Ausgabe der Frankfurter Rundschau ‘FR-Online’ habe ich gestern einen Artikel gefunden, der sich mit Nachhilfe im Allgemeinen und mit Mathe-Nachhilfe im Besonderen beschäftigt.
Wenn auch unfreiwillig zeigen der Artikel und die Studie, auf die er sich beruft, doch überdeutlich, dass Nachhilfe viel häufiger nötig wäre als man denkt:
Schlechte Noten gab es auch für die Mathematik-Lehrer: Während fast die Hälfte der Schüler ihren Lehrern attestiert, gut bis sehr gut erklären zu können, geben 31,5% der Schüler ihren Mathematiklehrer höchstens die Note vier für ihre Kompetenz, mathematische Inhalte erklären zu können.
Die Lehrer bekommen also angeblich ’schlechte Noten’. Fast die Hälfte werden ‘gut’ oder ’sehr gut’ bewertet – das sollen schlechte Noten sein?
Den Leuten bei der FR ist das wohl aufgefallen. Sie lassen die guten und sehr guten Noten unter den Tisch fallen und geben diese Stelle gekürzt wieder:
Bei einer Umfrage zu den didaktischen Fähigkeiten ihrer Pädagogen hagelte es von Schülerseite laut Jäger schlechte Noten: “Ein Drittel bekam eine Vier oder eine schlechtere Note.”
Aber selbst das Drittel für Note vier und schlechter ist ein wesentlich besseres Ergebnis, als man bei einer Normalverteilung der Noten erwarten dürfte.
Auch das ist ein Inhalt des Mathematikunterrichts: “Wie interpretiert man man Statistiken und Umfragen?”
Gerade hier ist der Bedarf nach Nachhilfe sehr weit verbreitet…
Don’t be afraid
22. Mrz. 2009 · 333 mal gelesen | Kommentar schreiben »
Bei Graubrot habe ich eine witzige Gute-Laune-Melodie gefunden:
(‘Furr’ von Blitzen Trapper)
Ich find das Lied an sich schon herrlich. Und die Textzeile: “Don’t be afraid of what you’ve learned” macht das Video perfekt passend für das Blog eines Nachhilfe-Lehrers unmittelbar vor den Prüfungen an den diversen Schulen.
“Don’t be afraid of what you’ve learned”
Wenn du dich schon fürchtest, dann lieber davor, was du nicht gelernt hast…
Bombige Frage
21. Jan. 2009 · 221 mal gelesen | 4 Kommentare »
Ich gebe Nachhilfestunden, normalerweise fast ausschließlich in Mathe. Aber die Leute bei denen ich sowieso bin, fragen manchmal, ob ich auch in anderen Fächern weiterhelfen kann. Und so halte ich manchmal eine Stunde Physik – auch wenn ich es nicht studiert habe und meine letzte ernsthafte Begegnung mit der Physik im Jahr 1989 war. Aber oft sind Physik-Probleme auch einfach nur Mathe-Probleme. Ich denke, dass ich bei den meisten Themen ganz ordentlich weiterhelfen kann.
Heute hatte ich wieder eine solche Anfrage:
Der Vater einer meiner Schüler spricht ein etwas drolliges Deutsch. Er lebt zwar seit mehr als 20 Jahren in Deutschland und spricht auch fließend und verständlich deutsch, aber immer wieder formuliert er etwas ungewöhnlich, verwendet seltsame Redewendungen oder benutzt einfach nicht passende Wörter. So auch heute:
Er hat mich gefragt, ob ich nicht auch ein paar Stunden Physik machen kann.
“Mein Junior meint, es ist in der Tat das Richtige, ein Referat über Hiroshima und Nagasaki zu machen. Aber er weiß nicht, wie die Atombombe funktioniert. Kannst du ihm da nicht helfen? Ich denke, er muss für das Referat eine Atombombe bauen.”
Der anfängliche Schreck -um nicht zu sagen Schock- legte sich dann doch relativ schnell, als ich die handwerklichen Fähigkeiten dieses ‘Juniors’ einzuschätzen versuchte und zu dem Schluß kam, dass diese kaum über jenen eines Karpfen liegen dürften.
Gruß auch an Wolfgang Schäuble.
Wenn sie hier mitlesen, nur zu ihrer Information: ich habe die Anfrage abgelehnt. Sie können die Herren in den dunklen Anzügen wieder nach Hause schicken.
Geziehlte Nachhilfe
3. Jan. 2009 · 226 mal gelesen | Kommentar schreiben »

Hoffentlich nicht in Deutsch…
(gefunden bei Spiegel-Online)
Beste Ausrede aller Zeiten
6. Mai. 2008 · 856 mal gelesen | 1 Kommentar »
Immer mal wieder haben meine Nachhilfe-Schüler keine rechte Lust auf Mathe und sagen eine Stunde ab. Als Ausrede Entschuldigung dienen mehr oder weniger originelle “Argumente”. Das hört sich dann ungefähr so an: “können wir heute nachhilfe ausfallen lassen? Weil ich bin voll kaputt” (Original SMS).
Wenn solche Absagen nicht allzu kurzfristig kommen, ist es mir meistens garnicht so unrecht, statt einer Stunde mit unmotiviertem oder “kaputtem” Schüler eine Stunde frei zu haben.
Die freie Stunde macht mir noch viel mehr Spaß, wenn sie durch eine außergewöhnlich kreative Absage eingeläutet wird. Ich habe mir auch schon überlegt, dass ich mal eine Hitliste der besten Ausreden aufstellen sollte. Aber der der erste Platz in dieser Liste, quasi die All-Time-Greatest-Ausrede steht seit einiger Zeit fest:
(ich zitiere die SMS wörtlich:)
“Sie brauchen heute nicht zu kommen, weil es heute sehr heiß ist.”
Ich bin mir sicher, dass die Mutti von dem Spaßvogel nichts von der SMS gewusst hat… Aber sie kann stolz sein, was für ein kreatives Kerlchen sie als Sohn hat.



