Archiv für "Medien"

2. April

2. Apr. 2009 · 6.428 mal gelesen | 3 Kommentare »

2. April – Zeit zurück zu schauen auf die 1.-April-Geschichten, die gestern durch das Netz geisterten:

Es gab eine ganze Menge flacher ‚Sensationsmeldungen‘, die zu diesem Datum wirklich keiner ernst nehmen dürfte:

Schon deutlich kreativer waren diese Geschichten:

Aber die größten 1. April-Knaller sind Geschichten, die ausdrücklich keine April-Scherze sind:

Fazit: Alles in allem ein schwacher 1. April. Da hat man schon bessere Ideen gesehen.

McMathe

29. Mrz. 2009 · 2.467 mal gelesen | Kommentar schreiben »

McMatheDie Nachricht des Wochenendes habe ich bei Pressetext.de gefunden.

Die Pommesbude mit dem großen M auf’m Dach möchte australischen Schülern Mathe-Nachhilfestunden erteilen. Die Online-Kurse, die sonst ca. 20 Euro kosten würden, sollen gratis angeboten werden. Die Schüler müssen nur immer wieder Werbeeinblendungen ertragen und bekommen beim Einloggen einen schönen Gruß vom Sponsor zu sehen.

So, und was sollen wir nun davon halten?

Zuerst habe ich nur den Kopf geschüttelt und mit dem Untergang der abendländischen Kultur gerechnet. Dann habe ich mir mich selbst vorgestellt, wie ich bei meinen eigenen Nachhilfestunden die eine oder andere Werbepause einbaue. Die Vorstellung fand ich auch recht absurd.

Aber ich denke, dass die Idee an sich garnicht zu verachten ist.

Warum soll man nicht Mathe mit etwas in Verbindung bringen, was für die Kids zweifellos positiv besetzt ist? Genau genommen macht mit dieser Aktion McDonalds Werbung für Mathe und nicht umgekehrt.
Warum sollte nicht ein solventer Sponsor den Schülern die Mathematik schmackhaft machen? Gut, das Wort ’schmackhaft‘ ist im Zusammenhang mit diesem Werbepartner vielleicht nicht ganz geschickt gewählt…

Warum soll man solches Bildungs-Sponsoring nur auf Online-Nachhilfestunden beschränken? Warum sucht man sich nicht Sponsoren, die den alltäglichen öffentlichen Schulunterricht unterstützen? Es muss ja nicht unbedingt ein Klingelton-Vertreiber den Musikunterricht sponsoren oder o.b. den Biologieunterricht. „Die Religionsstunde wird präsentiert von Durex“ wäre unpassend und die großen Bier-Abfüller als Unterstützer des Schulsports auch nicht ganz geeignet. Aber es ließen sich sicher auch passende Werbepartner finden.

Warum sollte die Werbung den Kindern in der Schule mehr schaden als die, die sie eh schon tagtäglich eingetrichtert bekommen? Mit Hilfe der Sponsoren könnte man vielleicht endlich den Schulen genügend Geld zur Verfügung stellen, damit vernünftig ausgebildete Pädagogen in Klassen mit vernünftiger Schülerzahl vernünftigen Unterricht machen können. Da wäre dann vielleicht sogar noch genügend Zeit, um den Schülern den vernünftigen Umgang mit den Medien und der Werbung beizubringen, was die meisten Eltern nicht mehr leisten können.

Warum dürfen Unternehmen im Sport Kinder- und Jugendmannschaften unterstützen, warum dürfen in sie Kinder- und Jugendzeitschriften werben, warum werden Kinder- und Jugendsendungen im Fernsehen von ihnen finanziert, aber in den Schulen soll Werbung verwerflich sein?

Ich denke, das ist zumindest nachdenkenswert.

Schon vor einiger Zeit hat übrigens auch Volker Pispers über das Thema nachgedacht – und ich muss sagen: „Er hat Recht!“ – Seht selbst:

Teil 1: www.youtube.com/watch?v=2UmAadpN-Po

Teil 2: www.youtube.com/watch?v=VhszHx2K0Ok

Widerlich

19. Mrz. 2009 · 2.700 mal gelesen | Kommentar schreiben »

Sorry Anne, aber ich muss noch einmal zurück nach Winnenden:

Bei NDR Zapp gibt es einen interessanten Beitrag [via Stefan Niggemeier]:

NDR Zapp

Es ist einfach widerlich, was mit den Betroffenen gemacht wird.

Die Küche des Krankenhauses Winnenden liegt unmittelbar neben dem Schulzentrum. Die Küchenmitarbeiter haben die Tragödie aus nächster Nähe miterlebt. Seit mehr als einer Woche führt ihr Weg zur Arbeit durch das Spalier der Kameras, vorbei an trauernden Bekannten und Verwandten. Täglich haben sie die Albertville-Realschule direkt im Blickfeld, täglich gehen sie durch den Park, wo ein Krankenhausmitarbeiter getötet wurde. Es wäre höchste Zeit, dass auch sie einmal an einem freien Wochenende zur Ruhe finden können, dass auch sie Gelegenheit finden können, das Geschehene und Gesehene zu verarbeiten, dass auch sie Zeit für Gespräche mit ihren Kindern haben, die z.T. selbst dort zur Schule gehen.

Ein freier Tag ist am kommenden Samstag aber nicht möglich. Da werden zu der zentralen Trauerfeier mehrere zehntausend Menschen in Winnenden erwartet. Unter ihnen selbstverständlich auch zahlreiche Politiker, die in diesem Jahr wiedergewählt werden wollen. In der Küche des Krankenhauses Winnenden wird jede helfende Hand gebraucht. Da gilt es, die wichtigen Gäste zu verköstigen, damit sie nicht nur mit einer Butterbrezel abgespeist werden müssen.

Wäre doch auch schlimm, wenn die geladenen hohen Gäste ihr Mitgefühl mit den Betroffenen hungrig zum Ausdruck bringen müssten.

Drei Dinge, die ich überhaupt nicht kann

16. Mrz. 2009 · 2.710 mal gelesen | 2 Kommentare »

Es gibt einen ganzen Haufen Dinge, die ich kann:

Aber es gibt auch drei Dinge, die ich überhaupt nicht kann:

Das Video von der hüpfenden Geigerin [via Nerdcore] soll aber hier nur ein positives Gegengewicht sein zu Sprüchen wie „Meine Meinung zu „Bild“ ist ne sehr positive, weil ich jeden Tag diese Zeitung lese.“ (P. Lahm) oder „Also mir wäre ein bisschen mehr Bildung und ein bisschen weniger Meinung lieber!“ (J.B. Kerner)

Im Zusammenhang mit der aktuellenBerichterstattung“ sind solche Aussagen einfach nur peinlich und widerlich.

Auf die Frage: „Wie tief kann man sinken?“ findet man bei NDR Zapp andeutungsweise Erklärungen zu den Hintergründen der Werbekampagne.

So oder so

15. Mrz. 2009 · 3.145 mal gelesen | 2 Kommentare »

Es gibt mehrere Möglichkeiten, auf eine Katastrophe zu reagieren.
Es gibt mehrere Möglichkeiten, über eine Tragödie zu berichten.

0903130001*

So oder so:

0903130002

Es liegt nahe, jetzt auf die böse Presse zu schimpfen, die aus der Trauer der Betroffenen Profit schlägt. Aber so lange wir solche Berichte lesen und sehen wollen, so lange wird es solche Berichte geben. So lange wir Bilder von trauernden Angehörigen, von Kindern zwischen Kerzen und Blumen sehen wollen, so lange wird es auch Fotografen und Kameraleute geben, die den Trauernden das Abschied Nehmen unmöglich machen, weil sie um sie herum schleichen, ihre Tränen aufnehmen und ihnen Mikrofone ins Gesicht halten.
Dabei wollen die Angehörigen doch nur eines:

Lasst uns in Ruhe trauern

An dieser Stelle möchte ich auch meinen Respekt aussprechen für alle Helfer, Seelsorger und Pfarrer, die vor Ort sind. Große Hochachtung vor der Arbeit, die sie leisten, vor allen Worten, die sie finden.

„Unter Tränen blick ich hin zu Gott.“
(Hiob 16,20)

* [Gesicht von mir unkenntlich gemacht]

Auf der Suche nach Worten

14. Mrz. 2009 · 2.674 mal gelesen | Kommentar schreiben »

Aus dem riesigen Misthaufen der sensationsgierigen medialen Triebbefriedigung ragen immer wieder ganz vereinzelt durchdachte Texte wie Blumen heraus.

Auf der Suche nach Worten waren mir einige wenige Gedankenfetzen eine Hilfe. Mein Dank gilt den Autoren folgender Texte, die mir geholfen haben beim Versuch, die Sprache wieder zu finden:

„… Rund um den Tatort sah es aus wie auf einem Rummelplatz. Immerhin hielten die mutigsten Kameraleute einen Abstand von rund sieben Metern vor dem Blumenmeer ein. Trauernde Schüler und Schülerinnen, die nicht von Mikrofonen überfallen oder von grellen Kamerascheinwerfern geblendet werden wollten, wichen aus, legten ihre Blumen und Kerzen in der Nähe ab…“

(WUV – Medienterror in Winnenden)

„… dann muss man nicht erstaunt sein, wenn es emotionale Defizite gibt, die letztlich in derartigen Taten wie in Winnenden enden. Einzelpersonen dafür “haftbar” zu machen, bringt gar nichts.
“Erziehung” – so etwas gab es einmal und es bestand nicht nur aus der Vermittlung von Fachwissen und technischen Fertigkeiten für die Berufswelt. In einer Welt, in der alles auf Effizienz und Kostensenkung ausgerichtet ist, ist dafür aber kein Platz mehr…“

(Zeitsturz – Parallelen)

„… Die Frage nach persönlicher Verantwortung wird in Deutschland selten gestellt. Doch genau darum geht es jetzt. Wer, wenn nicht die Eltern, ist denn für das Handeln seiner Kinder verantwortlich? Wer sich nicht um seine Kinder kümmert, wer nicht weiß, was sie umtreibt, welcher Kummer sie plagt, […] der macht sich schuldig – zunächst mal an seinem Kind. […] Aber bevor wir über eine Familie herfallen, die wir nicht kennen: Wie heißt eigentlich der Klassennachbar Ihres Kindes? Welches Buch liest es gerade? Liest es überhaupt? Und was haben Sohn oder Tochter am kommenden Wochenende vor? Wann haben Sie ihrem Sohn oder Ihrer Tochter zuletzt etwas erklärt, womit die Kinder wirklich etwas anfangen konnten? …“

(Spiegel – Was machen ihre Kinder gerade?)

Nachtrag 14.3., 13:47 :

„…Was allzu gerne Vergessen wird: Diese Verbrechen werden von Menschen begangen. Nicht von Pistolen, Messern, Bomben oder Fäusten. Nicht von Killerspielen, Gewaltvideos oder schlechter Musik.
Die Menschen sind es, die viel intensiverer Zuwendung bedürfen. Es bedarf offener Augen, Ohren und Münder von Eltern,  Erzieherinnen und Erziehern, Lehrerinnen und Lehrern, Freundinnen und Freunden. Es bedarf gesunden Menschenverstands und der richtigen “Antennen”.
Wir haben es in der Hand unsere Kinder mit der richtigen Nase für Krisensituationen auszustatten, ihnen beizubringen ein Gespür für Probleme in ihrem Umfeld zu entwickeln und entsprechend zu handeln.
Die Welt retten können wir damit nicht – aber vielleicht machen wir sie ein kleines bißchen lebenswerter…“

(Die Olsenbande – Meine 2 Cents)

Eli lama

12. Mrz. 2009 · 2.642 mal gelesen | 3 Kommentare »

Eli lama – My God why – Mein Gott warum?

Es gibt nur ein Wort, das mir zu der Katastrophe in Winnenden einfällt:

Warum?

sunset

Ich hätte mir gewünscht, dass die Vertreter einiger Medien und einige Blogger-Kollegen auch keine anderen Worte gefunden hätten.

Oder zumindest überlegte Worte, wie die von Johannes Rau nach dem Unglück von Erfurt (2002):

Wir sollten unsere Ratlosigkeit nicht zu überspielen versuchen mit scheinbar naheliegenden Erklärungen. Wir sollten uns eingestehen: Wir verstehen diese Tat nicht.

Tag des Blindtextes

10. Mrz. 2009 · 2.834 mal gelesen | 2 Kommentare »

Texte, die mit vielen Worten wenig oder garnichts sagen, sind kein Privileg der Politik und der Werbung. Manchmal verwendet man solche Texte auch, um das Design einer Website zu testen. Um eine Vorstellung zu bekommen, wie die Seite aussieht, füllt man sie erst mit einem so genannten Blindtext. Vor der Veröffentlichung wird der Blindtext natürlich durch tatsächliche Inhalte ersetzt.

Lorem ipsum dolor sit amet, consectetuer sadipscing elitr, sed diam nonumy eirmod tempor invidunt ut labore et dolore magna aliquyam erat, sed diam voluptua. Dies ist irgendein Text, ein Text, ein Text, ein Text. Nur wenn wir diese Ursachen benennen, können wir die Welt aus dieser Krise führen. Dazu brauchen wir klare Grundsätze: Der Staat ist der Hüter der wirtschaftlichen und sozialen Ordnung. Der Wettbewerb braucht Augenmaß und soziale Verantwortung. Das sind die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft. Sie gelten bei uns, aber das reicht nicht… Meine Devise ist: Wir wollen die Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise nicht einfach überstehen. Wir wollen stärker aus ihr herausgehen, als wir hineingekommen sind. Das geht, das können wir gemeinsam schaffen! At vero eos et accusam et justo duo dolores et ea rebum. The quick brown fox jumps over the lazy dog.

Immer mal wieder kommt es vor, dass irgendwo in der weiten Welt des Internet versehentlich ein solcher Blindtext veröffentlicht wird. Manchmal – wie z.B. heute – passiert auch fast gleichzeitig bei den Online-Ausgaben von zwei großen Zeitungen ein solches Malheur:

Blindtext Welt

Blindtext SZ

Bei der Textguerilla versucht man das dadurch zu erklären, „dass das Qualitäts- und Sorgfaltsgefälle zwischen Online- und Print-Ausgaben vieler großer Zeitungen so groß ist“. Demnach sollte man meinen, dass man in den Print-Ausgaben von solchen Faux-pas verschont bleibt.

Doch dem ist nicht so. Hier gibt es den dritten Blindtext des Tages:
http://www.bildblog.de/6350/

U2

9. Mrz. 2009 · 2.442 mal gelesen | Kommentar schreiben »

Noch ein Nachtrag zu ‚Du weißt, du wirst alt‘:

Du weißt, du wirst alt, wenn du ‚ZDF Aspekte‘ anschaust.

Zu meiner Entschuldigung, bzw. als mildernder Umstand sei gesagt, dass ich ‚Aspekte‘ auf YouTube angeschaut habe. Dort gibt es einen ZDF-Channel und da habe ich ein interessantes Interview mit U2 gefunden.

u2

Nicht nachvollziehbar

4. Mrz. 2009 · 1.644 mal gelesen | Kommentar schreiben »

Das Verfassungsgericht hat gestern geurteilt, dass bei Wahlen in Deutschland die bisher verwendeten Wahlcomputer künftig nicht mehr zulässig seien.

Gründe dafür sind:

(alle Zitate von Spiegel.de)

Genau genommen geht es also darum, dass für Außenstehende nicht nachvollziehbar ist, was in diesen Maschinen vor sich geht. Deshalb sind sie nicht mehr zugelassen.

Ich habe mir diese Argumentation genau angeschaut und habe jetzt die ernsthafte Befürchtung, dass die Argumente auch auf Frauen angewandt werden könnten…

Albert_Einstein

„Manche Männer bemühen sich lebenslang,
das Wesen einer Frau zu verstehen.

Andere befassen sich mit weniger schwierigen Dingen
z.B. der Relativitätstheorie.“

(Albert Einstein)