Archiv für "Medien"

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Polenallergie

5. Jun. 2008 · 3.268 mal gelesen | 3 Kommentare »

Die Fußball-EM hat noch nicht angefangen, aber vereinzelt kann man schon kleine Anzeichen wahrnehmen, dass demnächst auch auf den Fußballplätzen in der Schweiz und Österreich angepfiffen wird.

Die Fußbälle rollen erst am Wochenende. Der gelungenste Doppelpass der EM wurde aber schon in den letzten Tagen gespielt. Schade, dass viele Zuschauer es nicht bemerkt haben…

Wovon ich rede? Aaaalso: unter anderem hier ist die Aufregung groß:

„Guter Geschmack scheint speziell in Polen ein Fremdwort zu sein“ kann man dort als Kommentar zu den aktuellen Schlagzeilen in einer polnischen Zeitung lesen. Tatsächlich ist es reichlich geschmacklos, wie man bei „Fakt“ die Leser auf die EM einzustimmen versucht.

Extrem naiv ist aber die oben verlinkte Reaktion auf die Geschmacklosigkeiten. Selbst mit minimalem Nachdenk-Aufwand hätte man auf die Idee kommen können, die geschmacklichen Entgleisungen nicht allen Polen anzulasten („Pfui Polen“) oder allgemein „Polens ‚gute Kinderstube'“ zu kritisieren.

Dazu wäre es noch nicht einmal erforderlich gewesen, den Doppelpass zu erkennen. Es ist doch nicht wirklich erstaunlich, dass die Geschmacklosigkeiten im Vorfeld der Begegnung Deutschland-Polen ihren Ursprung nicht in Polen haben. Vielmehr ist die Zeitung ‚Fakt‘ ein Kind der Axel Springer AG.

Ooops! Worüber regt sich bei uns die Zeitung mit den großen Buchstaben also genau genommen auf („Es ist einfach widerlich!“) ?

Letztlich war es doch so: da schreibt einer in der Firma geschmacklosen Blödsinn in polnischer Sprache. Und der Kollege in derselben Firma bedankt sich für den gelungenen Pass in den freien Raum und spielt ihn genauso geschmacklos und blödsinnig, aber in deutscher Sprache wieder zurück.

Ein gelungener Doppelpass – sicher wird man sich den Ball in den nächsten Tagen noch einige Male zuspielen. Den Spielzug hat man bei Axel Springer schon jahrelang geübt. Er funktioniert seit langem nahezu blind und sogar mit wechselnden Mitspielern – mal mit der türkischen Hürriyet, mal mit der britischen Sun.

Randbemerkung: das Zusammenspiel mit den beiden genannten Mitspielern drängt sich derzeit aber nicht auf, weil die türkische Mannschaft nicht in der deutschen Gruppe spielt und England sowieso in einer ganz anderen Gruppe ist.

Beim Fußball wie im richtigen Leben habe ich Mitleid mit den Spielbeobachtern, die die interessantesten Szenen übersehen oder nicht verstehen.

Absteiger

20. Apr. 2008 · 2.213 mal gelesen | Kommentar schreiben »

Das war es dann wohl, liebe Clubberer!

Es ist besiegelt: trotz überlegenem Spiel und verdientem Sieg im Nachholspiel gegen Wolfsburg wurde der 1. FC Nürnberg heute bei Spiegel-Online mit sofortiger Wirkung aus der Tabelle genommen.

Ich denke, dieses Vorgehen ist allein schon deshalb gerechtfertigt, weil es einfach bestraft werden muss, den unvergleichlichen Hans Mayer zu entlassen.

Warum aber ausgerechnet der VfL Wolfsburg ab sofort mit zwei Mannschaften an der ersten Bundesliga teilnahmen darf, ist mir aber unverständlich…
😉

[Nachtrag 21.4.08]:
Inzwischen ist die Tabelle korrigiert. Die Nürnberger dürfen doch wieder mitmachen – zumindest bis zum 17. Mai…

Plagiator

22. Mrz. 2008 · 2.712 mal gelesen | 1 Kommentar »

Es ist ein ganz schmaler Grat zwischen einer genialen Cover-Version und einem einfallslosen Plagiat.

Auch in der Werbung ist das so. Da ist der Grat zwischen „tolle Idee“ und „plump nachgemacht“ vielleicht sogar noch schmaler.

Die Reaktionen auf den Obi-Werbespot mit der Cover-Version von „We will rock you“ von Queen sind zumeist positiv ausgefallen. Auch ich habe ihn für recht originell gehalten…

… bis ich auf das hier gestoßen bin:



The Pepsi Gladiators – video powered by Metacafe

Das ist ja wohl um Meilen besser – ganz gleich, was man von Britney, Beyonce und Pink halten mag.

Und wenn man den Spot kennt, wirkt der von Obi nur noch wie ein ganz billiger Abklatsch, oder!?

Grand Prix Eurovision de la GĂ©ographie

6. Mrz. 2008 · 3.909 mal gelesen | 3 Kommentare »

Der Eurovision Song Contest bzw. Grand Prix Eurovision de la Chanson geht mir ganz weit am Ar interessiert mich nicht die Bohne. Aber als der Sprecher im Radio eben über die Veranstaltung berichtete, habe ich trotzdem hingehört und es haben sich mir die Nackenhaare aufgestellt:

Erzählt der Spaßvogel doch allen Ernstes davon, dass die Sieger der letzten Jahre „bis auf die Ausnahme Finnland alle aus dem Südosten Europas“ gekommen seien. Und dann hat er aufgezählt: „Estland, Lettland, Türkei, Ukraine, Griechenland, Serbien“.

Warum sich mir die Nackenhaare aufgestellt haben?

Naja, zum einen, weil die Redewendung „da sind mir die Haare zu Berge gestanden“ nicht kompatibel zu meiner „ausgefallenen“ Frisur wäre. Aber irgend etwas musste mir ja zu Berge stehen.

Europa (klein)

Bei einem kurzen Blick auf eine Europakarte wird klar: nur 2 (in Worten zwei !!!) der aufgezählten Länder liegen in Südosteuropa. Selbst wenn man darüber hinweg sieht, dass die Türkei zwar im Südosten aber größtenteils garnicht in Europa liegt, dann bleibt eine Trefferquote von nur 50%, denn auch mit viel Wohlwollen bekommt man die Ukraine, Lettland und Estland nicht nach Südosteuropa verschoben.

Stellt sich mir nur noch die Frage: Liegt PISA eigentlich in Südosteuropa?

Werbung muss nicht bescheuert sein

3. Mrz. 2008 · 1.517 mal gelesen | Kommentar schreiben »

Ich hab es ja nicht mehr für möglich gehalten, auf meine alten Tage noch einmal ein Beispiel zu finden für wirklich geniale Werbung.

In einer (Werbe-)Welt, wo Etats in Millionenhöhe verschenkt werden an „Ich bin doch nicht blöd“- und „Ice Ice Pinguin“-Aktionen, wo „20% auf alles“ und „hinterher ist alles teuer“ um die Wette nerven, da sind echte Lichtblicke sehr, sehr selten. Besonders bei guten Ideen scheint Geiz extrem geil zu sein.

Warum kann es nicht mehr kreative Leute geben, die solche einfachen aber genialen Ideen haben:

Es funktioniert:
Bei diesem Werbespot wird man kaum wegzappen. Und am Ende des Clips hat man garantiert eine positive Einstellung zu Nesquick.

(gefunden bei Flussaufwärts)

Derby

23. Feb. 2008 · 2.263 mal gelesen | Kommentar schreiben »

Heute fand es also statt: das lang erwartete „Derby“ zwischen Schwaben und Badenern.

Die Welt schrieb unter der Schlagzeile „Südwest-Derby in Stuttgart als Hochrisikospiel“: „Es herrscht Alarmstufe eins im Ländle. Meister VfB Stuttgart gegen den Karlsruher SC – ein Spiel voller Brisanz“ (Welt.de)
Schon beim Hinspiel schrieb man dort vom „Hassduell um die Vorherrschaft im Südwesten“ (Welt.de)

Eurosport nannte es „Südwest-Derby auf dem Pulverfass“ (eurosport.yahoo.de)

Beim Schwarzwälder Boten wusste man: „Beim Derby geht es nicht nur um Tabellenpunkte, vielmehr werden auf dem grünen Rasen die Rivalitäten zwischen Schwaben und Badnern ausgetragen.“ (Schwarzwälder Bote)

Überall in den Medien wurde diese Rivalität aufgebauscht: statt Vorberichten über ein Fußballspiel fand man den Text vom Badenerlied, statt der aktuellen Form der Spieler las man über die Entstehungsgeschichte von Baden-Württemberg, statt Mannschaftsaufstellungen las man über Rivalität zwischen Schwaben und Badenern.

Derart aufgeheizt von den Medienberichten benahmen sich Zuschauer (ich schreibe mit Absicht nicht Fans) auf beiden Seiten daneben. Spiegel Online schrieb hinterher von einem „Wettbewerb ‚Wer hat die blödesten Fans?‘ “ und findet „[Dafür] … gibt es leider nur einen passenden Ausdruck: doof!“ (Spiegel.de)

Und dann war da doch noch ein Fußballspiel. Es standen auf dem Platz:

Für die „Schwaben“: ein Schwabe, ein Russland-Deutscher, ein Portugiese, ein Franzose, ein Schweizer, ein Mexikaner, ein Franke, ein Bayer, ein Türke, ein Deutsch-Spanier und ein Rumäne (eingewechselt wurden zwei Brasiliander und ein Deutsch-Tunesier)

Für die „Badener“: drei Bayern, ein Schweizer, ein Sachsen-Anhalter, ein Badener, ein Ghanaer, ein Ungar, ein Westfale, ein Georgier und ein Australier (eingewechselt wurden ein Badener, ein Südafrikaner und ein Albaner)

Warum muss man von Seiten der Medien ein Fußballspiel derart aufheizen, dass Hundertschaften von Polizisten und Ordnern benötigt werden um die Fans ein paar Idioten im Zaum zu halten? Warum kann man sich nicht einfach über ein interessantes Match freuen? Warum kann man im Vorfeld eines solchen Derbys nicht einfach den Ball flach halten?

Der Stuttgarter Trainer Armin Veh lieferte ein schönes Beispiel, wie es auch gehen könnte – auf der Pressekonferenz vor dem Spiel sagte er: „Natürlich ist ein Derby etwas Besonderes, die Brisanz ist ganz anders. Aber da muss man ja dann nicht auch noch schüren und als Verantwortlicher mit emotionalen Sprüchen in der Öffentlichkeit das Spiel zusätzlich aufheizen“. (VfB.de)

Da waren kleine Kinder im Stadion – die einem mit blauen, die anderen mit roten Schals. Wie kann man diesen Kindern erklären, warum zwischen ihnen maskierte Polizisten stehen mit Schlagstöcken in der Hand und Helmen auf dem Kopf?

Ach übrigens: das Fußballspiel (die eigentliche Hauptsache) endete mit einem 3:1 für die „Schwaben“.

Wo er Recht hat …

20. Feb. 2008 · 2.248 mal gelesen | Kommentar schreiben »

Man soll ja über seine Mitmenschen nichts Negatives sagen. Neil Young hat sich in einem Interview in der Frankfurter Rundschau daran gehalten.

Aber irgendwie hört es sich nicht positiv an, wie er nichts Negatives über George W. Bush sagt:

Frage: Einige Texte sind unmissverständlich. In „Let’s impeach the president“ rufen Sie dazu auf, George W. Bush seines Amtes zu entheben. Was haben Sie gegen den US-Präsidenten?

Antwort: Es würde viel zu lange dauern, diese Frage zu beantworten. Wir sollten lieber darüber sprechen, was man Bush zugute halten muss. Diese Antwort ist wesentlich kürzer: Er ist in einer sehr guten physischen Verfassung und ein Beispiel dafür, dass Männer in seinem Alter noch körperlich fit sein können. Das ist alles.“

(Gefunden auf Zeitsturz)

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