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Nix wie weg – Meine Gedanken

26. Jul. 2009 · 2.145 mal gelesen | Keine Kommentare »

Ich habe ja schon erzählt, dass ich heute beim JAM in Oppenweiler dran war zu predigen. Für alle die es interessiert, hier der komplette Text der Predigt. Mehr als sonst würde ich mich natürlich hier über euer Feedback, eure Meinung und eure Gedanken freuen.

Berner Alpen

Wir sind auf dem Weg

Die Ferienzeit steht kurz vor der Tür. Alle Schüler haben nur eines im Kopf: »Nix wie weg!« (Ich kenne übrigens auch mindestens einen Lehrer, der genauso denkt…). Die Ferien fangen an, man macht sich auf den Weg.
In dem Anspiel vorher haben sich einige Leute auf den Weg gemacht: mit dem Fahrrad, zum Surfen, zum Tauchen oder einfach bloß weg. Fragt sich nur, wie komme ich da hin? Welchen Weg muss ich da nehmen?

Wege gibt es ganz verschiedene: für viele führt der Weg in den Urlaub erst mal auf die Autobahn. Da geht es meistens geradeaus, ohne Ampeln, Kreuzungen, Zebrastreifen direkt auf das Ziel zu. Andere – ich selber auch – mögen lieber verschnörkelte, kurvige, schmale Sträßchen durch die Berge. Wege, die bestimmt anstrengender sind und oft auch holpriger, unebener. Aber das sind die Wege, auf denen man etwas sehen und erleben kann.

Wenn ich erzählen will, was mir heute auf meiner Tour bei der Sponsorenrallye besonders gefallen hat, werde ich das langweilige Stück auf der neuen, noch gesperrten B14 sicher nicht erwähnen, wo es zwar einfach und schnell vorwärts ging, wo ich aber nur stupide Kilometer runtergerissen habe. Ich werd eher von dem wenig befahrenen Sträßchen erzählen, wo es an einem Bächlein entlang durch den Wald ging. Klar, da ging es anstrengend bergauf, aber immer dann wenn man langsamer unterwegs ist, sieht man mehr. Und dort war es einfach nur schön.

Manche Wege gehen ganz einfach eben schnurstracks geradeaus, andere Wege führen steil und zickzack bergauf.

Ich bin ganz gern mit dem Fahrrad in den Bergen. Da bin ich mal unten vor dem Grimselpass gestanden und hab mich erinnert an ein Interview mit einem Radprofi. Der hat sich gefragt: »Wer hat denn die Straße an die Wand genagelt?«

Manche Wege sind so einfach, dass man sie in stockdunkler Nacht problemlos gehen könnte. Andere Wege sind so steinig, dass man auch bei Tag auf jeden Schritt einzeln acht geben muss.

Manche Wege die auf der Landkarte noch recht einfach ausgesehen haben, führen ganz unerwartet fast senkrecht eine Felswand hoch. Manche Wege verschwinden auch plötzlich in einem Geröllfeld.

Wahrscheinlich sage ich niemandem von euch etwas neues, wenn ich sage, dass das im Leben genau so ist: Wir sind auf einem Weg. Unser Leben ist ein Weg.
Manchmal geht es problemlos wie von selbst vorwärts. Du musst dich nicht arg anstrengen, es läuft fast wie von selbst. Du kommst genau so vorwärts, wie du es geplant und dir vorgestellt hast.

Und manchmal wird es auch steinig, holprig, steil und schwer. Irgendwie läuft es schief – oder es läuft garnicht mehr. Du planst und nimmst dir etwas vor und kommst aber ganz wo anders raus. Du kannst dich anstrengen, abstrampeln und bemühen so arg du willst, irgendwie kommst du nicht vorwärts.
Solche Situationen kennt sicher jeder von euch. Da muss ich wohl kein Beispiel suchen. Ich möchte lieber von einem Mann erzählen, der auch unterwegs war…

Übrigens – ist euch einmal aufgefallen, wie schön das in der deutschen Sprache ist: man ist unterwegs, wenn man auf den Weg ist. Was jetzt: drunter oder drauf? Ist es das gleiche, ob man unterwegs ist oder auf dem Weg?
Warum sagt man unterwegs? Unter dem Weg ist man doch eher selten – außer wenn man mit der U-Bahn unterwegs ist.

Was ist der Unterschied zwischen unterwegs und auf dem Weg?
Wenn man »unterwegs« ist, ist man irgendwo. Man ist ziellos unterwegs. Man kann unter vielen Wegen auswählen. »Auf dem Weg« ist man, wenn man ein Ziel hat, das man erreichen will, wenn man auf einem Weg ist.

Aber zurück zu dem Mann, der auch unterwegs war: Abraham war wirklich unterwegs. Als Nomade weiß man was es heißt unterwegs zu sein – heute hier morgen dort, immer ohne Ziel, trotzdem immer unterwegs.

Bis irgendwann dieser Abraham von Gott auf den Weg gebracht wird. Auf einen ganz bestimmten Weg. Jetzt ist Abraham nicht mehr ziellos unterwegs, jetzt ist er auf dem Weg.

Gott macht das nicht wie ein Diktator oder Marionetten­spieler oder wie die Stimme im Navigationsgerät: »In 100m – links – abbiegen!« Gott befiehlt nicht, Gott verheißt. Gott verspricht – mehr noch: Gott schwärmt Abraham was von seiner Zukunft vor, von einem verheißenen Land, von einem Sohn, von seinen vielen Nachkommen.

Ich erzähle sicher keine Neuigkeit, wenn ich sage, dass das irgendwie garnicht der Weg ist, den Abraham selbst für sich und seine Frau geplant hat. Ihr kennt die Geschichte. Wer erwartet denn, im hohen Alter noch Kinder zu bekommen?

Gott zeigt uns einen Weg

Welchen Weg hast denn du für dich geplant? Wohin soll dein Weg gehen? Klar, jetzt erst mal weg – zum Radfahren, zum Bergsteigen, zum Tauchen, zum Kanu fahren, zum Zelten, aufs Jungscharlager, zum Camp – Hauptsache erst mal weg. Und dann? Wenn du irgendwann nicht mehr weg, sondern wieder da bist? Wohin geht dein Weg? Bist du dann unterwegs oder auf einem Weg?

Hast du schon gemerkt, dass Gott einen Weg für dich hat? Ganz sicher nicht den gleichen, den er für Abraham gehabt hat, aber sicher auch einen guten.

Woran merkst du denn, welches der richtige Weg ist?

Ich habe ja vorher schon gesagt, dass das bei Gott nicht wie beim Navigationsgerät abläuft: »In 100m – links – abbiegen!«. Wir sind auf einem Weg. Aber ganz anders als eine Lokomotive auf dem Weg ist. Die Lokomotive hat keine Wahl: sie kann halt immer den Schienen nach fahren – immer geradeaus. Selbst wenn Weichen kommen, fährt die Lokomotive immer in die Richtung, die für sie eingestellt ist. So ist das bei uns nicht. Wir sind unterwegs und können – beziehungsweise eigentlich: wir müssen immer wieder den richtigen Weg suchen und finden.

Woran merkst du denn, welches der richtige Weg ist? Wie findest du den richtigen Weg?

Ich hab ja schon erzählt, dass ich öfter in den Bergen bin zum Radfahren. Einmal hab ich mein Rad wieder ins Auto gepackt und bin in die Schweiz Richtung St. Gotthard gefahren. Dort gab bzw. gibt es eine Problemstelle: Zürich. Man kommt auf der Autobahn nach Zürich. Die Stadt kann man aber nicht umfahren, sondern man muss mitten durch die Stadt bevor man auf der anderen Seite weiter z.B. zum St. Gotthard kommt.

Ich bin da schon öfter gefahren, aber dieses Mal ging irgendwas schief – ich hab mich irgendwie irgendwo verfahren. Ziellos bin ich durch Zürich geirrt – ich war zwar noch unterwegs, aber nicht mehr auf dem Weg.

Natürlich hab ich genau das gemacht, was alle Männer in der Situation machen: ich hab nicht nach dem Weg gefragt. Männer fragen nie nach dem Weg. Ich bin trotzdem sehr gut vorwärts gekommen. Hm, ja, zwar vorwärts, aber nicht voran. Ich war ewig lang unterwegs, aber eben immer noch in Zürich.

Dabei wäre es ganz einfach gewesen: ich hätte nur nach dem Weg fragen müssen. Gut, äh, vielleichcht hätte ichch die Antwort in einer chomischen Sprachche bechommen. Vielleicht wäre es schwer verständlich gewesen. Ganz sicher wäre es besser gewesen, als planlos umher zu irren.

Zurück zu der Frage: Woran merkst du denn, welches der richtige Weg ist?
Nach der Zürich-Odyssee gibt es da für mich nur eine Antwort: Frag doch einfach nach dem Weg! Es kann sein, dass du die Antwort nicht gleich verstehst. Auf jeden Fall ist das aber besser, als ziellos unterwegs zu sein. Mach einfach mal den Versuch: frag nach bei Gott! Frag ihn nach seinem Weg, nach dem Weg, den er für dich und dein Leben hat. Und wenn du die Antwort nicht gleich verstehst, dann frag einfach nochmal. Ehrlich: Gott darfst du richtig auf die Nerven gehen – der steht da drüber!

Nur mach dich drauf gefasst, dass es ein seltsamer Weg ist, den du gezeigt bekommst.

Gott hat seltsame Wege

Nochmal zurück zu Abraham. Er hat sich auf den Weg gemacht, von dem ihm Gott vorgeschwärmt hat. Viele Jahre später – er hat tatsächlich den Sohn, den Gott ihm versprochen hat. Und er ist weiter auf dem Weg, den Gott ihm zeigt. Aber Gott hat sehr seltsame Wege. Ich lese einen Abschnitt aus 1.Mose 22,1-18:

1 Einige Zeit danach geschah es: Gott stellte Abraham auf die Probe. »Abraham!« rief er. »Ja?« erwiderte Abraham.
2 »Nimm deinen Sohn«, sagte Gott, »deinen einzigen, der dir ans Herz gewachsen ist, den Isaak! Geh mit ihm ins Land Morija auf einen Berg, den ich dir nennen werde, und opfere ihn mir dort als Brandopfer.«
3 Am nächsten Morgen stand Abraham früh auf. Er spaltete Holz für das Opferfeuer, belud seinen Esel und machte sich mit seinem Sohn auf den Weg zu dem Ort, von dem Gott gesprochen hatte. Auch zwei Knechte nahm er mit.
4 Am dritten Tag erblickte er den Berg in der Ferne.
5 Da sagte er zu den Knechten: »Bleibt hier mit dem Esel! Ich gehe mit dem Jungen dort hinauf, um mich vor Gott niederzuwerfen; dann kommen wir wieder zurück.«
6 Abraham packte seinem Sohn die Holzscheite auf den Rücken; er selbst nahm das Becken mit glühenden Kohlen und das Messer. So gingen die beiden miteinander.
7 Nach einer Weile sagte Isaak: »Vater!« – »Ja, mein Sohn?« – »Feuer und Holz haben wir, aber wo ist das Lamm für das Opfer?«
8 »Gott wird schon für ein Opferlamm sorgen!« So gingen die beiden miteinander.
9 Sie kamen zu dem Ort, von dem Gott zu Abraham gesprochen hatte. Auf dem Berg baute Abraham einen Altar und schichtete die Holzscheite auf. Er fesselte Isaak und legte ihn auf den Altar, oben auf den Holzstoß.
10 Schon fasste er nach dem Messer, um seinen Sohn zu schlachten,
11 da rief der Engel des HERRN vom Himmel her: »Abraham! Abraham!« – »Ja?« erwiderte er,
12 und der Engel rief: »Halt ein! Tu dem Jungen nichts zuleide! Jetzt weiß ich, dass du Gott gehorchst. Du warst bereit, mir sogar deinen einzigen Sohn zu opfern.«
13 Als Abraham aufblickte, sah er einen einzelnen Schafbock, der sich mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen hatte. Er ging hinüber, nahm das Tier und opferte es anstelle seines Sohnes auf dem Altar.

Gott hat sehr seltsame Wege.

Was hat Abraham wohl in dem Moment gedacht, als er den Auftrag bekommen hat? Hat er wohl gedacht: »Och, Gott wird das schon regeln. Ich muss den Isaak doch nicht wirklich opfern.«

Ich denke eher, dass der Abraham wirklich damit gerechnet hat, dass er seinen Sohn opfern soll. Zu der Zeit waren bei den anderen Göttern solche Opfer ganz normal. Da wurden jede Menge Erstgeborene getötet und geopfert. Und Abraham hat sich wohl gedacht: »Bei meinem Gott ist das eben ganz genau so. Das ist halt sein Weg.«

Aber die Wege Gottes sind selten genau so, wie wir es erwarten. Und so geht die Geschichte anders aus, als der Abraham es erwartet. Abraham wird auf die Probe gestellt. Wenn die Probe darin besteht, ob er macht, was Gott von ihm verlangt, dann hat der die Probe bestanden. Wenn die Probe darin besteht, ob er es Gott wirklich zutraut, so grausame Opfer zu verlangen, dann ist er durchgefallen.

Gott hat seltsame Wege. Aber Gott ist kein grausamer Gott, der solche Opfer fordert.

Gott hat seltsame Wege. Oft kommt mir ein Weg unterwegs mehr als seltsam vor. Erst hinterher merke ich, wie der Weg gelaufen ist.

Wenn man durch ein Autobahnkreuz fährt: rechts raus, erst geradeaus und dann doch rechts durch einen langen Schnörkel, nicht rechts bleiben, sondern wieder links in die Autobahn einfädeln… So lange man da fährt, verliert man leicht den Überblick, wo man grad ist und wo es hin gehen soll. Wenn man aber hinterher auf der Karte genau schaut, merkt man dass das zwar sehr verschnörkelt und verwirrend, aber eben genial genau der richtige Weg war.
Gott hat manchmal auch seltsame Wege. Aber ich wünsche euch allen, dass ihr – auch wenn es erst hinterher ist – immer wieder merkt: »Das war genau der richtige Weg.«

Jetzt hatten wir zwei Punkte: »Gott zeigt uns einen Weg« und »Gott hat seltsame Wege«. Ich möchte aber noch einen nächsten und letzten Schritt weiter gehen:

Gott ist der Weg

Mal angenommen, Gott zeigt dir einen Weg und du entschließt dich, auf diesem Weg zu gehen. Läuft dann automatisch immer alles gut? Hast du dann automatisch immer die göttliche Rundumversicherung? Ich würde eher sagen: »Nein.«

Ganz sicher wird es immer Stellen auf deinem Weg geben, die dir nicht gefallen. Und es wird wahrscheinlich auch passieren, dass du hin fällst, dass es dich richtig auf die Schnauze haut.

Du hast mehr gelernt als jemals vorher, und bekommst trotzdem eine miese Note. Dein Freund erklärt dir, dass er eigentlich nicht mehr weiß, warum er noch mit dir zusammen ist. Dein Chef sagt dir, dass du dir besser eine andere Stelle suchst. Ein Freund auf den du vertraut hast, lässt dich mit deinen Problemen einfach sitzen.

Egal wie jung oder alt ihr seid, jeder wird sich an so was erinnern oder es sich zumindest vorstellen können.

In solchen Situationen ist es nahe liegend, zu denken: »Gott ist weg!« Ist ja auch nachvollziehbar: mich haut es hier auf die Schnauze, und von Gott ist nirgends irgendwo irgendwas zu sehen. Gott ist weg!

Aber ich kann euch ganz sicher versprechen: das stimmt nicht! Wenn dein Weg schwer ist oder einsam oder steinig und steil, wenn dein Weg eine Sackgasse ist oder ein Labyrinth, wenn du auf deinem Weg stolperst oder hin fällst, dann sagt Gott eben nicht: »Ich bin dann mal weg«, sondern genau im Gegenteil – er sagt: »Ich bin der Weg«.

Stell dir das mal vor: wenn du stolperst, hin knallst und es dich flach hin streckt, wenn du denkst: »jetzt bin ich ganz unten«, dann ist Gott nicht weg, sondern dann ist Gott der Weg. Der Weg, dort wo du gelandet bist. Du kannst gar nicht tiefer fallen als dort hin, wo Gott sowieso schon ist.

Ich wünsche dir nicht, dass du stolperst oder hinfällst. Aber ich wünsche dir, wenn du stolperst oder hinfällst, dass du dann spürst – Gott ist schon da. Gott ist bei dir.

Amen.

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