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Albula – Flüela

4. Jun. 2009 · 6.434 mal gelesen | 4 Kommentare »

Albula – Flüela

31.5.2009

Albula-Flüela-Karte

Karte von quaeldich.de

Filisur – Bergün – Albulapass – La Punt – Zernez – Flüelapass – Davos – Filisur

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben…

Ich hatte es ja hier schon angekündigt, dass ich am Pfingstwochenende mal wieder einen Ausflug in die Berge machen will. Gesagt – getan. Am Sonntag habe ich mein Fahrrad und meine Sachen ins Auto gepackt und mich auf den Weg in die Schweiz, genauer nach Filisur in Graubünden gemacht.

Christo goes LandwasserDort angekommen habe ich erst einmal ausführlich gefrühstückt und versucht, mich von 4 Std. Autofahrt zu erholen.

Zweierlei hat mich schon zu diesem frühen Zeitpunkt gestört: zum einen sah das Landwasserviadukt ganz anders aus als erwartet:

Wurde ich Zeuge des Geheimprojekts „Christo goes to Landwasser“ oder war es vielleicht doch nur eine gewöhnliche Baustelle? Etwas anderes beschäftigte mich mehr: da waren Schilder, die besagten, dass der Albula-Pass von 11:00 bis 20:00 Uhr wegen Belagsarbeiten gesperrt wird. Ich konnte mir also höchstens zweieinhalb Stunden Zeit lassen.

Der Albula ist einer meiner Lieblingspässe. Die Straße ist recht schmal und meistens in keinem sonderlich guten Zustand. Was sich zuerst nach einem Nachteil anhört, ist ein großer Vorteil für den Radfahrer: wegen der schlechten Straße weichen viele Auto- und Motorradfahrer auf die parallel verlaufenden Julier- und Flüela-Strecken aus. So ist am Albula recht wenig Verkehr.

Obwohl – genau genommen ist das falsch: es ist einiges los – die Eisenbahn nimmt bis Preda die gleiche Route – oder zumindest eine ähnliche. Steigungen von bis zu 12 % muss die Eisenbahn natürlich umgehen. Und so hat man insbesondere zwischen Bergün und Preda die Eisenbahnstrecke kunstvoll durch Spiral- und Kehrtunnel und über Viadukte gelegt.
Schon beim letzten Mal habe ich geschrieben: „Stellenweise kommt man sich vor wie in einer viel zu großen Märklin-Landschaft.“

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Lai da PalpuognaNach Preda verschwindet die Eisenbahn im Tunnel und die Straße steigt einsam durch eine wunderschöne Landschaft. Besonders der Lai da Palpuogna, ein Bergsee wie aus dem Bilderbuch ist hervor zu heben.

In diesem Bereich ist der Straßenbelag sehr schlecht, z.T. nur notdürftig geflickt. Und an ein paar Stellen fährt man auch ein Stück auf Schotter. Aus diesem Grund bin ich den Albulapass auch noch nie in der entgegengesetzten Richtung gefahren. Eine Abfahrt auf diesem Straßenbelag macht sicher keinen Spaß.

Ab der Crap Alv bis zur Passhöhe ist die Straße dann aber sehr gut und so kann man sich recht gemütlich die letzten Kilometer zwischen Felsen und Geröllfeldern nach oben kämpfen.

0905310022Die Wintersperre für den Pass war ja erst am Tag vorher aufgehoben worden. An einigen Stellen konnte man noch deutlich erkennen, dass dazu vorher einiges an Arbeit nötig war. Die Schneewände am Rand der Straße waren z.T. noch 3-4 m hoch – ein wirklich eindrücklicher Anblick.

Das Wetter war zu diesem Zeitpunkt schön. Natürlich nicht warm, aber die Sonne scheinte zwischen den Wolken durch.

Pünktlich um 11:00 Uhr kam ich oben an. Auf der Passhöhe dann das übliche Prozedere: abtrocknen, schnell ein ‚Passfoto‘, warme Kleider überziehen und weiter geht es. Manchmal reicht es auch noch für ein schnelles Gespräch mit Radler-Kollegen oder Motorrad-Fahrern. Ein längerer Aufenthalt ist aber auch im Sommer nicht ratsam, weil es da oben doch meistens empfindlich kalt ist.

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Nach der Passhöhe geht die Abfahrt nicht gleich richtig los. Es geht erst einmal einige hundert Meter fast eben zwischen verschneiten Bergen und teilweise zugefrorenen Seen hindurch. Ein einfach grandioser Anblick!

Weniger schön war der Anblick der dunklen Wolken, die man jetzt über dem Engadin sehen konnte und die nichts Gutes verhießen.

Aber zunächst konnte ich die Abfahrt genießen: 600 Höhenmeter auf guter Straße und vor allem ohne Verkehr – kein Auto, kein Motorrad, nur zwei Radfahrer – Traumhaft.

0905310043Angekommen in La Punt machte ich erst mal ausgiebig Pause mit leckerem Mittagessen. Weiter ging es den Inn entlang nach Zuoz, S-Chanf, Brail und Zernez. Dabei habe ich gelernt, was das Verb ‚demoralisieren‘ bedeuten kann:

auf der Strecke geht es deutlich bergab – 400 hm auf 20 km. Der Wind blies mir aber so kräftig entgegen, dass ich fast mit aller Kraft treten musste um überhaupt vorwärts zu kommen. Dazu fing es an zu regnen. Zuerst nur so leicht, dass es kaum stört, dann stärker. Ich mich entschlossen, doch die Regenjacke und die Überschuhe anzuziehen. Kaum hatte ich sie an, war der Regen auch wieder vorbei.

In Susch beginnt dann der Aufstieg zum Flüelapass. Es geht gleich recht steil los mit 8-10% Steigung. Wie vorher schon erwähnt, ist hier auch deutlich mehr Verkehr. Das ist insbesondere deshalb sehr störend, weil einem gerade hier -mehr als an jedem anderen Pass, den ich bisher gefahren bin- Autos und LKW mit stinkenden Bremsen und Kupplungen entgegen kommen.

Die Flüela-Strecke ist recht unspektakulär. Die Straße führt recht gleichmäßig durch das Val Susasca. Einige Male wird es weniger steil und man kann ein wenig erholen. Wobei ‚erholen‘ bei Steigungen von trotzdem über 4% vielleicht das falsche Wort ist.

0905310049Weiter oben konnte ich schon die dunkeln Wolken über den Bergen hängen sehen. Je höher ich kam, um so dunkler und kälter wurde es. Bei ungefähr 2000 m  wurde der Wind so richtig kalt und es begann tatsächlich leicht zu schneien. So lange man bergauf fährt ist das nicht weiter schlimm, da wird es einem sowieso warm. Aber ich machte mir Sorgen um die bevorstehende Abfahrt. Immerhin hatte ich schon vor der Passhöhe alles an, was ich an Kleidern dabei hatte.

0905310052Umso kürzer war der Aufenthalt auf der Passhöhe: zwei schnelle Fotos und weiter geht’s.

Pass-Abfahrten im Schneeregen machen keinen Spaß! Die Bremsen funktionieren bei Nässe nicht so gut, die Straße wird rutschig, die Regentropfen brennen im Gesicht und die Finger werden langsam taub von der Kälte. Mehrmals musste ich anhalten um die Finger wieder aufzutauen (und um die Gruppe holländischer Motorradfahrer vorbei zu lassen, die noch langsamer abgefahren sind als ich selbst).

Mein Survival-Tipp für solche oder ähnliche Situationen: schon am Col da la Bonnette vor 5 Jahren haben mir Plastik-Vespertüten als zusätzliche Socken beste Dienste geleistet. Diesmal habe ich sie (natürlich nicht die selben von damals) über meine Handschuhe gezogen. Dadurch wird zwar das Bedienen der Bremse ein bisschen schwieriger, aber die Finger kühlen nicht ganz so schnell aus. So habe ich es geschafft, die Abfahrt nach Davos unbeschadet und ohne Erfrierungen zu überstehen.

0905310055Kurz vor Davos hörte das schlechte Wetter dann übrigens abrupt auf und die Sonne schien wieder – was mich an diesem Tag überhaupt nicht mehr verwundert hat.

Den Rest der Tour konnte ich also wieder trocken und aufgewärmt genießen. Dieses Mal war ich ja darauf vorbereitet, was mich noch erwartet. Nach der Abfahrt bis zum (sehr gut beleuchteten) Tunnel am Bärentritt folgt nochmal ein Anstieg von ca. 200 hm bis Wiesen, der in der Karte kaum zu erkennen ist. Wenn man nicht damit rechnet, kann ein solcher Gegenanstieg nämlich das letzte Stück Moral kosten.

Danach geht es aber wirklich nur noch bergab. Ein letzter Geheimtipp ist die Abkürzung von Alvaneu nach Alvaneubad. In Alvaneu geht es links auf einer schmalen, für Autos gesperrten Straße mit extremem Spaßfaktor bergab. Ein krönender Abschluss für eine sehr schöne Tour.

Fazit: Herrliche Tour als Training für den eisernen Willen, die ich -bei besserem Wetter- jederzeit wieder fahren würde.

Höhenprofile:

albula-fluela-profil

Profil von quaeldich.de

Albulapass von Tiefenkastel

Flüelapass von Susch

4 Reaktionen zu “Albula – Flüela”

  1. oldman schreibt:
    Am 5. Juni 2009 um 22:14 Uhr

    Alle Achtung – um die Jahreszeit und bei dem Wetter!

  2. Pumi schreibt:
    Am 6. Juni 2009 um 17:06 Uhr

    Die Jahreszeit ist genau die richtige – wenn man einen schönen Tag erwischt. Das Foto in meinem Header (ganz rechts) ist auch vom Flüelapass um diese Jahreszeit…
    Und so schlimm war das Wetter ja nicht 🙂 Am Albula bin ich mit kurzen Kleidern gefahren.

  3. Pumi schreibt:
    Am 7. Juni 2009 um 10:15 Uhr

    Ach ja und übrigens:

    „Stärke wächst nicht aus körperlicher Kraft,
    vielmehr aus unbeugsamen Willen.“
    (Mahatma Gandhi)

    Und dieser Wille muss auch immer wieder trainiert werden.

  4. Melanie Klein schreibt:
    Am 12. März 2011 um 19:11 Uhr

    Woher hast Du diese Informationen? Klingt spannend!

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