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Derby

23. Feb. 2008 · 2.263 mal gelesen | Kommentar schreiben »

Heute fand es also statt: das lang erwartete „Derby“ zwischen Schwaben und Badenern.

Die Welt schrieb unter der Schlagzeile „Südwest-Derby in Stuttgart als Hochrisikospiel“: „Es herrscht Alarmstufe eins im Ländle. Meister VfB Stuttgart gegen den Karlsruher SC – ein Spiel voller Brisanz“ (Welt.de)
Schon beim Hinspiel schrieb man dort vom „Hassduell um die Vorherrschaft im Südwesten“ (Welt.de)

Eurosport nannte es „Südwest-Derby auf dem Pulverfass“ (eurosport.yahoo.de)

Beim Schwarzwälder Boten wusste man: „Beim Derby geht es nicht nur um Tabellenpunkte, vielmehr werden auf dem grünen Rasen die Rivalitäten zwischen Schwaben und Badnern ausgetragen.“ (Schwarzwälder Bote)

Überall in den Medien wurde diese Rivalität aufgebauscht: statt Vorberichten über ein Fußballspiel fand man den Text vom Badenerlied, statt der aktuellen Form der Spieler las man über die Entstehungsgeschichte von Baden-Württemberg, statt Mannschaftsaufstellungen las man über Rivalität zwischen Schwaben und Badenern.

Derart aufgeheizt von den Medienberichten benahmen sich Zuschauer (ich schreibe mit Absicht nicht Fans) auf beiden Seiten daneben. Spiegel Online schrieb hinterher von einem „Wettbewerb ‚Wer hat die blödesten Fans?‘ “ und findet „[Dafür] … gibt es leider nur einen passenden Ausdruck: doof!“ (Spiegel.de)

Und dann war da doch noch ein Fußballspiel. Es standen auf dem Platz:

Für die „Schwaben“: ein Schwabe, ein Russland-Deutscher, ein Portugiese, ein Franzose, ein Schweizer, ein Mexikaner, ein Franke, ein Bayer, ein Türke, ein Deutsch-Spanier und ein Rumäne (eingewechselt wurden zwei Brasiliander und ein Deutsch-Tunesier)

Für die „Badener“: drei Bayern, ein Schweizer, ein Sachsen-Anhalter, ein Badener, ein Ghanaer, ein Ungar, ein Westfale, ein Georgier und ein Australier (eingewechselt wurden ein Badener, ein Südafrikaner und ein Albaner)

Warum muss man von Seiten der Medien ein Fußballspiel derart aufheizen, dass Hundertschaften von Polizisten und Ordnern benötigt werden um die Fans ein paar Idioten im Zaum zu halten? Warum kann man sich nicht einfach über ein interessantes Match freuen? Warum kann man im Vorfeld eines solchen Derbys nicht einfach den Ball flach halten?

Der Stuttgarter Trainer Armin Veh lieferte ein schönes Beispiel, wie es auch gehen könnte – auf der Pressekonferenz vor dem Spiel sagte er: „Natürlich ist ein Derby etwas Besonderes, die Brisanz ist ganz anders. Aber da muss man ja dann nicht auch noch schüren und als Verantwortlicher mit emotionalen Sprüchen in der Öffentlichkeit das Spiel zusätzlich aufheizen“. (VfB.de)

Da waren kleine Kinder im Stadion – die einem mit blauen, die anderen mit roten Schals. Wie kann man diesen Kindern erklären, warum zwischen ihnen maskierte Polizisten stehen mit Schlagstöcken in der Hand und Helmen auf dem Kopf?

Ach übrigens: das Fußballspiel (die eigentliche Hauptsache) endete mit einem 3:1 für die „Schwaben“.

Always look on the bright side of life

11. Nov. 2007 · 1.369 mal gelesen | Kommentar schreiben »

Einen schönen Gruß an alle Anhänger des FC Bayern München – macht euch nichts draus, es hätte auch noch viel schlimmer kommen können:

Das Original aus Life of Brian ist hier zu finden:
http://www.youtube.com/watch?v=jHPOzQzk9Qo

Mit dem Fernglas…

11. Nov. 2007 · 2.415 mal gelesen | Kommentar schreiben »

Halbzeitstand: Drei zu Null

Im Mai diesen Jahres tönte ein gewisser Uli Hoeneß noch in der gewohnt arroganten selbstbewußten Art:

Wir müssen dafür sorgen, dass nächstes Jahr wieder das Wehklagen einsetzt, wenn die anderen uns in der Tabelle mit dem Fernglas anschauen.

(Uli Hoeneß, Manager des FC Bayern München)

Zitat auf www.fussballer-reden-viel.de

Gestern beim Spiel hatte ich das Gefühl, dass Uli im Laufe der Saison eventuell noch selbst ein Fernglas brauchen wird…

Eine riesige Enttäuschung war für mich der FC Bayern übrigens nicht nur deshalb, weil sie spielerisch/kämpferisch nicht mithalten konnten. Nein, die größte Enttäuschung war, dass zahlreiche Bayern-Spieler übertrieben unsportlich/unfair aufgetreten sind. Die rote Karte für Lucio war nur der Gipfel von einem Berg unzähliger Frustfouls und Unsportlichkeiten (die in den Fernsehberichten nicht oder nur am Rand gezeigt wurden). Lukas Podolski wurde zur Halbzeit ausgewechselt, weil er nach dem 2:0 nur noch hirnlos frustriert um sich getreten hat. Die gelbe Karte hätte sehr wohl auch rot sein können. Auch Frank Ribery war über weite Strecken komplett ausgeschaltet und fiel meist nur durch versteckte Fouls auf.

Kurz gesagt: ich war von diesem FC Bayern einfach nur enttäuscht.

Der VfB Stuttgart hat mit dem 3:1 einen hochverdienten Sieg (und eine angemessene Bestrafung) erreicht.

VfB, ich steh zu dir

27. Okt. 2007 · 2.210 mal gelesen | Kommentar schreiben »

Echte Fans erkennt man nicht, wenn eine Mannschaft Deutscher Meister wird.

Echte Fans erkennt man, wenn es einmal nicht so läuft wie gewünscht.

Echte Fans pfeifen nicht !

 

„mir haltet zamme ganz egal was au kommt
VfB i steh zu dir
VfB was auch passiert
mir halted zueinander
nix und niemand tut uns weh
so sind wir – so isch der VfB“

VfB Fans

 

Auch wenn es passiert ist…

27. Jul. 2006 · 2.214 mal gelesen | Kommentar schreiben »

Heute Nachmittag (27.7.2006) machten die Schlagzeilen die Runde:„Floyd Landis war positiv“ oder „Tour-Sieger Landis positiv getestet“ usw.

Dem Amerikaner Floyd Landis, der vor nicht einmal einer Woche das schwerste Radrennen der Welt – die Tour de France – gewonnen hat, wurde Doping nachgewiesen. Die A-Probe zeigt, dass er auf einer der entscheidenden Etappen mit leistungssteigernden Mitteln gefahren ist.

Innerhalb kürzester Zeit nach bekannt werden hagelte es von allen Seiten Kommentare wie diese: „Wut und Traurigkeit“, „Betrüger“, „dumm, dreist und betrügerisch“, „ich bin entsetzt“, „erschüttert und extrem enttäuscht“, „Das ist einfach nur Ekel erregend“ und so weiter, und so weiter.

Unzählige mehr oder weniger bekannte und mehr oder weniger betroffene Kommentatoren meldeten sich zu Wort. Unzählige Male wurde der ertappte Dopingsünder verurteilt, beschimpft und verdammt.

Nur eine Reaktion fiel völlig aus dem Rahmen: es war der Kommentar von Arelene Landis, der Mutter des Sportlers. Sie sagte:

„Auch wenn es passiert ist, er bleibt mein geliebter Sohn.“

Ich habe diese Frau noch nie gesehen. Ich weiß von ihr nicht mehr, als dass sie die Mutter von Floyd Landis ist und dass sie der Glaubensgemeinschaft der Menoniten angehört. Und ich habe von Arlene Landis bis heute noch nie etwas gehört. Aber mit diesem einen Satz symbolisiert sie für mich ganz genau das, wie ich mir Gott vorstelle.

So stelle ich mir die Antwort von Gott vor:

„Auch wenn er etwas schlimmes getan hat,

auch wenn alle mit dem Finger auf ihn zeigen,

auch wenn ihn alle verdammen,

er bleibt mein geliebter Sohn!“

Das könnte die Reaktion des Vaters sein, als der verlorene Sohn wieder zurück gekommen ist. Auch der Sohn hat sich einiges zu Schulden kommen lassen. Auch der Sohn wurde von allen verachtet, sogar von seinem Bruder. Doch der Vater lief ihm entgegen und fiel ihm um den Hals und küsste ihn (Lukas 15,10-32).

Arlene Landis würde sagen:

„Auch wenn es passiert ist, er bleibt mein geliebter Sohn.“

Ich bin zwar noch nie gedopt gefahren. Trotzdem weiß ich sehr wohl, dass ich mir auch schon mehr als genug zu Schulden kommen lassen habe.
Aber ich hoffe darauf, dass Gott sagt:

„Auch wenn es passiert ist, er bleibt mein geliebter Sohn.“

(c) by Pumi

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