Tagesarchiv für den 17. Juni 2011

Ehrenrunde – Tag 8

17. Jun. 2011 · 6.722 mal gelesen | 5 Kommentare »

Wenn sich in den letzten Tagen jemand gefragt hat, ob ich wohl so langsam die Lust aufs Radfahren oder gar die Kraft dazu verlieren würde, für den hatte ich heute den Gegenbeweis:

Von Anfang an habe ich ein paar solcher „unnötiger“ Kringel in die Tour eingeplant. Den ersten geplanten Kringel musste ich vorgestern auslassen, um den einen Tag Verspätung durch den Regentag in Wangen wieder aufzuholen. Der Ehrenrunde um Andermatt stand nichts entgegen – abgesehen vom nicht ganz optimalen Wetterbericht für den Nachmittag.

Zum ersten Mal seit einer Woche konnte ich ohne den Rucksack fahren. Den Gepäckträger und die Tasche hatte ich trotzdem dabei – so konnte ich genug Kleider und Vesper mitnehmen.

Los geht es fast eben bis nach Realp. Dort beginnt die Steigung zum Furkapass gleich recht steil mit einigen Serpentinen.

Schnell hat man die 2000m-Marke erreicht. Von da an kann man die Passhöhe schon erkennen und die Straße zieht sich gleichmäßig am Hang entlang.

Mit erstaunlich wenig Anstrengung habe ich die Passhöhe erreicht. Und  gleich ging es wieder hinab, vorbei am Hotel Belvedere, von wo aus man sich den Rhonegletscher von innen anschauen kann. Darauf hatte ich aber keine Lust – ich hatte ja noch einiges vor mir.

In Gletsch zweigt der Grimselpass ab. Hier soll Udo Bölz gefragt haben: „Wer hat die Straße an die Wand genagelt?“
Für mich steht der Grimselpass erst morgen auf dem Programm. Heute ging es weiter bergab bis Ulrichen. Von dort geht es den Berg hinauf ins Agenetal zum Nufenenpass.

Auch hier geht es recht steil los, bevor es ein längeres flaches Stück gibt. Die letzten 400 Höhenmeter werden nochmal mit einigen steilen Serpentinen bezwungen.

Auf der Passhöhe angekommen, konnte ich von Nahem erleben, was eine Wetterscheide ist: scheinte bis zum Pass noch manchmal die Sonne durch den bewölkten Himmel, war das ganze Val Bedretto quasi mit Nebel gefüllt.

Die Straße war trocken, die Sicht OK. Also freute ich mich, dass ich warme Kleider dabei hatte, machte mein Rücklicht an und wagte mich in die Abfahrt. Etwas anderes blieb mir ja auch nicht übrig.

Kurz vor dem tiefsten Punkt in Airolo begann ein leichter Nieselregen – das konnte ja spaßig werden auf den letzten 1ooo Höhenmetern und 13 km bis zum Gotthardpass – und vor allem auf der Abfahrt wieder hinunter.

Am Beginn der Steigung nieselte es noch. Das hörte nach ca. 2 km auf, aber der Nebel wurde immer dichter. Neben der Straße konnte ich so gut wie nichts erkennen. In Fahrtrichtung betrug die Sicht zwischen 30 und 50 Metern. So muss das Gefühl sein, wenn man auf einem Hometrainer in einer leeren Garage mit dem Gesicht zur Wand trainiert – nur dass in der Garage keine Autos und Lastwagen um einen herum fahren.

Zum Glück konnte ich mich daran erinnern, dass kurz vor dem Tunnel ein Kiosk am Straßenrand steht. Ich hätte es sonst nicht gesehen. Und zum Glück hat das Kiosk eine Panorama-Terrasse – muss eine gute Aussicht sein von dort…

Nach dem Tunnel (in dem die Sicht besser war als draußen) habe ich den See an der Passhöhe erreicht, aber leider nicht gesehen.

Auch fand ich erstaunlicherweise niemand, der ein Foto von mir machen wollte. Also machte ich mich gleich wieder auf die Abfahrt.

Schon ca. 100 hm unter der Passhöhe war die Sicht wieder gut genug, dass ich normal abfahren konnte. In Hospental unten angekommen, war ich erleichterter als ich jemals auf einer Passhöhe war.

Tag 8: Andermatt – Andermatt, 108 km, 3140 hm, (Furkapass, Nufenenpass, Gotthardpass), ‚Ehrenrunde‘ mal ohne Gepäck, Wetter anfangs OK, Nieselregen und Nebel ab Airolo, trotz üblem Ende eine geniale Tour

Zwischenbericht – Die erste Woche

17. Jun. 2011 · 4.054 mal gelesen | Kommentar schreiben »

Schneller als man denkt ist schon die erste Woche rum. Inzwischen stehen 770 km auf dem Tacho. Zeit für ein erstes Fazit:

Eigentlich läuft alles wie erwartet (oder besser).

Technisch:

kein Problem bisher. Ein einziger Schaltfehler nach 500km ist wohl nicht erwähnenswert. Wegen der vollen Lenkertasche hat ein Schaltzug an der Bremse gestreift und einen halben Millimeter Alu weg gerieben. Wurde aber gleich getapet. Reifen und Bremsen sehen noch gut aus. Da hatte ich wegen des großen Gewichts mit mehr Verschleiß gerechnet.

Körperlich:
auch da hatte ich deutlich mehr Probleme erwartet. Läuft richtig gut. Keine Muskelprobleme bisher. Erholung geht recht schnell. Ein paar wunde Stellen, wo der Rucksack reibt sind wohl normal und auch nicht wirklich schmerzend. Ein Insektenstich, der einen Tag lang recht unförmig angeschwollen ist unterm Helm.
Sonnenbrand habe ich noch keinen, aber die sehr deutlich sichtbaren Radfahrer-Streifen an den Armen, Beinen und -wo es besonders witzig aussieht- auf dem Kopf. Die Tatsache, dass der Helm sehr Luft durchlässig ist, führt dazu, dass die Sonne auch ganz gut bis zur reichlich vorhandenen Kopfhaut durch kommt. Und das wiederum führt dazu, dass ich irokesen-ähnliche Streifen auf dem Kopf hab (nein, ich hab noch kein taugliches Foto davon hin bekommen).

Tagesablauf:
Ich hab mich schnell an das Schlafen, Essen, Fahren, Essen, Schlafen gewöhnt. Mein Magen hat sich an exzessive Frühstücke gewöhnt. Und ich hab mich an die Blicke gewöhnt, wenn ich unterwegs Lebensmittelläden halb leer kaufe und das meiste gleich vor der Tür wegputze.
Mit den Hotels habe ich bisher immer Glück gehabt. Aber eigentlich interessiert mich da auch nur die Dusche und das Bett. Vielleicht noch ein Fernseher für den Wetterbericht.
Auch das tägliche Sachen richten, packen, aufladen ist zur (wenn auch lästigen) Routine geworden.

Pässe:

Fortsetzung folgt…