Archiv für "Politik"
Zitat des Tages: mit vollem Mund
6. Mai. 2009 · 555 mal gelesen | Kommentar schreiben »
Zum Geburtstag von Orson Welles heute ein Zitat des Tages, das mich unwillkürlich an den anstehenden Wahlkampf-Marathon erinnert hat:
Viele Menschen sind gut erzogen, um nicht mit vollem Mund zu sprechen,
aber sie haben keine Bedenken, es mit leerem Kopf zu tun.
Orson Welles
(06.05.1915 – 10.10.1985)
Bis zum Herbst, werden wir wohl kaum noch irgendwo ein wahlkampf-freies Plätzchen oder Stündchen finden. Das bedeutet so viel wie ‘ein halbes Jahr Dauerberieselung mit den All-time-Greatest aus dem Hohle-Phrasen-Charts’.
Ich hab jetzt schon keine Lust darauf…
2. April
2. Apr. 2009 · 2.639 mal gelesen | 3 Kommentare »
2. April – Zeit zurück zu schauen auf die 1.-April-Geschichten, die gestern durch das Netz geisterten:
Es gab eine ganze Menge flacher ‘Sensationsmeldungen’, die zu diesem Datum wirklich keiner ernst nehmen dürfte:
- FC Bayern verpflichtet Cristiano Ronaldo [hier]
- Google kauft Facebook [hier]
- Angela Merkel nackt im Playboy [hier]
Schon deutlich kreativer waren diese Geschichten:
- Freistaat Bayern will mit eigenem Team zur EM 2012 [hier]
- Lila Parkplakette für Autofahrerinnen [hier]
- GEZ-Gebühren-Nachzahlung für DDR-Bürger [hier]
- “Ich bin schwanger!” oder “Ich heirate!” [hier]
Aber die größten 1. April-Knaller sind Geschichten, die ausdrücklich keine April-Scherze sind:
- Junge Chicks können richtig gut rechnen [hier]
- Bayrischer Innenminister Herman kennt sich mit Computerspielen aus: “In ihren schädlichen Auswirkungen stehen sie auf einer Stufe mit Drogen und Kinderpornografie, deren Verbot zurecht niemand in Frage stellt.” [hier]
Fazit: Alles in allem ein schwacher 1. April. Da hat man schon bessere Ideen gesehen.
Widerlich
19. Mrz. 2009 · 696 mal gelesen | Kommentar schreiben »
Sorry Anne, aber ich muss noch einmal zurück nach Winnenden:
Bei NDR Zapp gibt es einen interessanten Beitrag [via Stefan Niggemeier]:
Es ist einfach widerlich, was mit den Betroffenen gemacht wird.
Die Küche des Krankenhauses Winnenden liegt unmittelbar neben dem Schulzentrum. Die Küchenmitarbeiter haben die Tragödie aus nächster Nähe miterlebt. Seit mehr als einer Woche führt ihr Weg zur Arbeit durch das Spalier der Kameras, vorbei an trauernden Bekannten und Verwandten. Täglich haben sie die Albertville-Realschule direkt im Blickfeld, täglich gehen sie durch den Park, wo ein Krankenhausmitarbeiter getötet wurde. Es wäre höchste Zeit, dass auch sie einmal an einem freien Wochenende zur Ruhe finden können, dass auch sie Gelegenheit finden können, das Geschehene und Gesehene zu verarbeiten, dass auch sie Zeit für Gespräche mit ihren Kindern haben, die z.T. selbst dort zur Schule gehen.
Ein freier Tag ist am kommenden Samstag aber nicht möglich. Da werden zu der zentralen Trauerfeier mehrere zehntausend Menschen in Winnenden erwartet. Unter ihnen selbstverständlich auch zahlreiche Politiker, die in diesem Jahr wiedergewählt werden wollen. In der Küche des Krankenhauses Winnenden wird jede helfende Hand gebraucht. Da gilt es, die wichtigen Gäste zu verköstigen, damit sie nicht nur mit einer Butterbrezel abgespeist werden müssen.
Wäre doch auch schlimm, wenn die geladenen hohen Gäste ihr Mitgefühl mit den Betroffenen hungrig zum Ausdruck bringen müssten.
Tag des Blindtextes
10. Mrz. 2009 · 747 mal gelesen | 2 Kommentare »
Texte, die mit vielen Worten wenig oder garnichts sagen, sind kein Privileg der Politik und der Werbung. Manchmal verwendet man solche Texte auch, um das Design einer Website zu testen. Um eine Vorstellung zu bekommen, wie die Seite aussieht, füllt man sie erst mit einem so genannten Blindtext. Vor der Veröffentlichung wird der Blindtext natürlich durch tatsächliche Inhalte ersetzt.
Lorem ipsum dolor sit amet, consectetuer sadipscing elitr, sed diam nonumy eirmod tempor invidunt ut labore et dolore magna aliquyam erat, sed diam voluptua. Dies ist irgendein Text, ein Text, ein Text, ein Text. Nur wenn wir diese Ursachen benennen, können wir die Welt aus dieser Krise führen. Dazu brauchen wir klare Grundsätze: Der Staat ist der Hüter der wirtschaftlichen und sozialen Ordnung. Der Wettbewerb braucht Augenmaß und soziale Verantwortung. Das sind die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft. Sie gelten bei uns, aber das reicht nicht… Meine Devise ist: Wir wollen die Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise nicht einfach überstehen. Wir wollen stärker aus ihr herausgehen, als wir hineingekommen sind. Das geht, das können wir gemeinsam schaffen! At vero eos et accusam et justo duo dolores et ea rebum. The quick brown fox jumps over the lazy dog.
Immer mal wieder kommt es vor, dass irgendwo in der weiten Welt des Internet versehentlich ein solcher Blindtext veröffentlicht wird. Manchmal – wie z.B. heute – passiert auch fast gleichzeitig bei den Online-Ausgaben von zwei großen Zeitungen ein solches Malheur:
Bei der Textguerilla versucht man das dadurch zu erklären, “dass das Qualitäts- und Sorgfaltsgefälle zwischen Online- und Print-Ausgaben vieler großer Zeitungen so groß ist”. Demnach sollte man meinen, dass man in den Print-Ausgaben von solchen Faux-pas verschont bleibt.
Doch dem ist nicht so. Hier gibt es den dritten Blindtext des Tages:
http://www.bildblog.de/6350/
Barbarisch
27. Feb. 2009 · 568 mal gelesen | Kommentar schreiben »
Am Dienstag hat das Landesarbeitsgericht Berlin geurteilt, dass die fristlose Entlassung einer Kassiererin rechtens ist, auch wenn sie nur Pfandbons im Wert von 1,30 Euro unterschlagen hat.
Dieses Urteil hat einigen Wirbel verursacht. Die Zeitung mit den großen Buchstaben hat der Geschichte eine Titelseite gewidmet. Und auch sonst kann man fast überall von dem Fall lesen und hören.
Gestern hat sich jetzt auch Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) zu Wort gemeldet:
“Das ist ein barbarisches Urteil von asozialer Qualität”
Es verletze das Gerechtigkeitsempfinden, dass die Frau “wegen einer Nichtigkeit” entlassen werde (Stuttgarter Nachrichten).
Herr Thierse hat übersehen, dass es ‘das Gerechtigkeitsempfinden’ nicht gibt. Jedes Empfinden, so auch das Gerechtigkeitsempfinden, ist immer subjektiv.
Mein subjektives Gerechtigkeitsempfinden wird dadurch verletzt, dass es anscheinend eine Nichtigkeit sein soll, das Eigentum anderer zu entwenden. Diebstahl ist keine Nichtigkeit. Für mich spielt es dabei keine Rolle, ob es sich um 1,30 Euro oder sonst irgend einen Betrag handelt.
In unserer Gesellschaft ist Ehrlichkeit sehr selten geworden. Völlig normal und weit verbreitet sind dagegen kleine oder große Tricksereien bei der Steuererklärung, Nebenverdienste oder geringere Kosten durch Schwarzarbeit, kleinere oder größere Missachtungen von Eigentumsverhältnissen usw. usw.
Einen Diebstahl und den dazu gehörigen Vertrauensverlust als Nichtigkeit zu bezeichnen, ist in meinen Augen nichts anderes als Anstiftung zum Diebstahl. Das Urteil des Gerichtes, das sich auf bestehendes Recht beruft, als barbarisch zu bezeichnen, ist ein Schlag ins Gesicht der Richter.
Selbst wenn hinter dem Fall mehr stehen sollte als nur die 1,30 Euro (wie bei Spiegelfechter zu lesen ist), selbst dann bleibt der Beitrag von Wolfgang Thierse eine populistische Peinlichkeit.
Kein Bock auf Nazis
10. Feb. 2009 · 704 mal gelesen | 1 Kommentar »
Die Kampagne “Kein Bock auf Nazis” macht weiter.
Die ganze Aktion hört sich sehr interessant an.
Ab sofort kann man sich kostenlos die neue DVD bestellen.
Hoffentlich kostenlos, aber nicht umsonst.
[Gefunden bei Störungsmelder]
Kopfnuss
30. Jan. 2009 · 1.110 mal gelesen | 3 Kommentare »

Die Frage des Tages ist für mich heute: “In welcher Welt leben wir denn eigentlich?”
In welcher Welt leben wir denn eigentlich, wenn auf einer Packung Erdnüsse die Warnung aufgedruckt ist, dass darin eventuell Nüsse enthalten sein könnten…?!
Ich will ja nicht schimpfen und schon gleich garnicht auf die EU und ihre Vorschriften. Immerhin sind die Vorschriften für die maximale Krümmung von Salatgurken und die minimale Größe von Äpfeln wieder abgeschafft worden.
So etwas wie die Warnung vor den Nüssen, das hätte ich allerdings bisher nur den US Amerikanern zugetraut. Gut, ich denke, da kommt diese Vorschrift auch ursprünglich her (failblog.org – Link), aber man muss denen ja nicht alles nachmachen, oder?!
Todesstrafe in Berlin
26. Jan. 2009 · 717 mal gelesen | Kommentar schreiben »
Zeitschriften, die nicht verkauft worden sind, schicken wir zurück an den Großhändler. Wenn ich sie zusammenpacke, habe ich einen Schnelldurchgang durch die Titelblätter und Schlagzeilen der letzten Tage. Das hier fand ich très jolie:
Jetzt im Nachhinein ärgere ich mich schon ein wenig, dass ich nicht schnell nachgelesen habe, ob Angelina Jolie wirklich etwas Wichtiges zu sagen hatte über die Todestrafe in Berlin oder ob sie nur eine dicke Lippe riskiert hat gegenüber dem deutschen Grundgesetz, wo in Artikel 102 steht:
“Die Todesstrafe ist abgeschafft.”
Drollig übrigens, dass die Todesstrafe in der hessischen Verfassung bis heute noch vorgesehen ist.
Artikel 21: (1) Ist jemand einer strafbaren Handlung für schuldig befunden worden, so können ihm auf Grund der Strafgesetze durch richterliches Urteil die Freiheit und die bürgerlichen Ehrenrechte entzogen oder beschränkt werden. Bei besonders schweren Verbrechen kann er zum Tode verurteilt werden.
Aber in Hessen haben sie ja auch noch nicht gemerkt, dass das Sprichwort “Zu viele Köche verderben den Brei” durchaus seine Richtigkeit hat.
Und außerdem gehört das ja auch garnicht hierher, weil Berlin nicht in Hessen liegt.
Ja ja ja
22. Jan. 2009 · 988 mal gelesen | Kommentar schreiben »
Der 44. ist im Amt.
Der 43. ist gegangen.
Man hat viel gesehen von der Begrüßung des Neuen, aber (fast) nichts von der Verabschiedung des Alten.
Wenn man sieht, wie seine Amtskollegen mit ihm umgegangen sind, fällt es leicht zu vermuten, dass George W. Bush nicht sehr überschwänglich verabschiedet wurde und dass ihn kaum einer wirklich vermissen wird. Außer vielleicht ein paar Comedians und Parodisten. Denen hat er immer genügend Futter geliefert.
Ich erinnere nur an:
- “They are West Texas girls just like me”
- “I believe, what I believe is right”
- “They missunderestimated me”
- “Not one doubt in my mind that we will fail”
und viele weitere mehr.
Der Neue, Barak Obama, hat bisher nur ein Zitat für die Ewigkeit geliefert. Diesen Satz hat er in den letzten Wochen sicher mehrere hundert Mal wiederholen müssen: “Yes we can”
Diese Floskel -bisher nur heiße Luft, ohne Substanz- haben die Berlitz Sprachschulen (bzw. deren Werbeagentur) zum besten Werbeslogan des Jahres (wenn nicht gar des Jahrzehnts) inspiriert.
(Gefunden bei Textguerilla)

Theologie-Studenten wissen es: unter dem englischen “yes” und dem französischen “oui” steht ganz unten das hebräische Wort “ken”, was auch “ja” heißt.
Ausgesprochen also “Yes we can”.
Bleibt die Hoffnung, dass Obamas “Yes we can” mehr ist, als nur dieses “Ja ja ja” – was sich ein wenig wie “bla bla bla” anhört.
Bleibt die Hoffnung, dass Obama am Ende seiner Amtszeit mehr hinterlässt als nur skurile Zitate.
Gute Ansätze sind ja schon erkennbar. Auch wenn es keine eigenen Ideen sind, sondern nur das Versprechen, dass er versucht, die Fehler seines Vorgängers auszubügeln.
Aber das ist ja schon schwer genug…
Barak am Zug
20. Jan. 2009 · 426 mal gelesen | 2 Kommentare »
Obwohl er schon in der Bibel erwähnt wird, hat er es doch geschafft, für einen großen Teil der weltweiten Öffentlichkeit bis vor wenigen Monaten ein Unbekannter zu bleiben. Doch das hat sich grundlegend geändert: Barak ist in den Blickpunkt gerückt.
Im Buch Rut 4,8 wird zitiert:
“Barak sprach zu ihr: Wenn du mit mir ziehst, so will auch ich ziehen; ziehst du aber nicht mit mir, so will auch ich nicht ziehen.”
Und jetzt ist Barak am Zug.
Heute übernimmt er den Scherbenhaufen, den ihm sein Vorgänger hinterlassen hat. Und eigentlich hat er es wirklich leicht: noch schlechter als sein Vorgänger kann er seinen Job nicht machen. Aber die Erwartungen an ihn sind auch sehr hoch.
Olaf Schubert hat bei der SWR 3 Comedy die Erwartungen auf einen Punkt gebracht, beziehungsweise auf ganz viele Punkte:
“Barak Obama steht wie kein anderer für den komplexesten Wandel, den unsere moderne Welt in den letzten 3000 Jahren erlebt hat. Er wird alles zum Guten wenden: …”
Ihr müsst unbedingt hören, was er alles schaffen wird: [Olaf Schubert auf SWR3]
Ich bin gespannt, was Barak Obama erreichen kann. Ich bin gespannt, wie die Stimmung in einem Jahr sein wird.
Auf jeden Fall wünsche ich ihm viel Erfolg bei allen seinen Aufgaben (vor allem bei der Geschichte mit den Polkappen).
PS: Seht ihr – man kann einen Artikel zum Amtsantritt von Barak Obama schreiben, ohne die Wörter “…erster Schwarzer…” zu verwenden.






