Zur Abwechslung mal Fußball

Bei all dem Jubel über das Erreichen des Halbfinals bei der Europameisterschaft sollte das Schicksal eines bedauernswerten jungen Mannes nicht vergessen werden:

Mario Gomez, zweiter der Bundesliga-Torschützenliste der vergangenen Saison (obwohl er bei 9 Spielen gefehlt hat), hat bisher bei der EM noch keine überragenden Kritiken bekommen.

Manch einer hat vermutet, dass die Gerüchte um einen Wechsel zum FC Bayern ihn in seiner Konzentration gestört haben könnten.

Ich selbst habe ein ganz anderes Problem gesehen: in den Vorrundenspielen der deutschen Mannschaft ist ein offener Kampf um einen Stammplatz entbrannt. Aber nicht um einen Stammplatz in der Nationalmannschaft, sondern um einen Platz im Bayern-Sturm der nächsten Saison.

In meinen Augen hat Miro Klose in den ersten Spielen alles daran gesetzt, seinen Kollegen in spe schlecht aussehen zu lassen: ungenaue, unerreichbare Zuspiele, verspätete Pässe ins Abseits, verweigerte Zuspiele…

Gomez hat tatsächlich schlecht ausgesehen in den Vorrundenspielen, aber er ist da vorne eben auf seine Mitspieler angewiesen. Und wenn die nicht mit ihm spielen wollen, sondern offensichtlich gegen ihn spielen… hm.

Im Halbfinale könnte das ganze plötzlich ganz anders aussehen: heute hat VfB-Manger Horst Held vermelden lassen: “Wir geben Gomez nicht ab“. Auch wenn Gomez angeblich schon einen Vorvertrag beim Wurstfabrikanten in München hat, bekommt er vom VfB keine Freigabe.

Wenn sich daran nichts ändert (Stichwort: Schmerzgrenze in 8-stelliger Höhe), hat Gomez also noch eine Saison lang Zeit, sich mit dem Liedgut der Toten Hosen auseinander zu setzen:

Mehr noch als für Mario Gomez, der beinahe einen riesigen Fehler gemacht hätte, freue ich mich für Miro Klose, der jetzt endlich nicht mehr gegen seinen Sturmpartner spielen muss.

Sechs zu Drei

Welch ein unglaubliches Fußballspiel habe ich da gestern gesehen…

Es war ja zu erwarten. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ein Duell zwischen Werder Bremen und dem VfB Stuttgart irgendwann mal ein schlechtes Fußballspiel gewesen wäre (man denke nur an das legendäre 4:4 von 2004).
Doch das 6:3 von gestern hat alles bisher dagewesene noch getoppt!

Ich hatte richtig Angst um die älteren Herren, die in meiner Nähe gesessen sind. Ihre Gesichtsfarbe wechselte mehrfach zwischen bleich, nahezu weiß und tiefrot mit leichten Blaunuancen. In Gedanken habe ich mich schon an meinen Erste-Hilfe-Kurs zurückerinnert und über die Sofortmaßnahmen bei Herzinfarkt nachgedacht.

Vielen Dank an die Bremer, die nie mit einem Punkt zufrieden waren und immer offensiv gespielt haben und dadurch dieses herrliche Spiel möglich gemacht haben.

6 : 3

Derby

Heute fand es also statt: das lang erwartete “Derby” zwischen Schwaben und Badenern.

Die Welt schrieb unter der Schlagzeile “Südwest-Derby in Stuttgart als Hochrisikospiel”: “Es herrscht Alarmstufe eins im Ländle. Meister VfB Stuttgart gegen den Karlsruher SC – ein Spiel voller Brisanz” (Welt.de)
Schon beim Hinspiel schrieb man dort vom “Hassduell um die Vorherrschaft im Südwesten” (Welt.de)

Eurosport nannte es “Südwest-Derby auf dem Pulverfass” (eurosport.yahoo.de)

Beim Schwarzwälder Boten wusste man: “Beim Derby geht es nicht nur um Tabellenpunkte, vielmehr werden auf dem grünen Rasen die Rivalitäten zwischen Schwaben und Badnern ausgetragen.” (Schwarzwälder Bote)

Überall in den Medien wurde diese Rivalität aufgebauscht: statt Vorberichten über ein Fußballspiel fand man den Text vom Badenerlied, statt der aktuellen Form der Spieler las man über die Entstehungsgeschichte von Baden-Württemberg, statt Mannschaftsaufstellungen las man über Rivalität zwischen Schwaben und Badenern.

Derart aufgeheizt von den Medienberichten benahmen sich Zuschauer (ich schreibe mit Absicht nicht Fans) auf beiden Seiten daneben. Spiegel Online schrieb hinterher von einem “Wettbewerb ‘Wer hat die blödesten Fans?’ ” und findet “[Dafür] … gibt es leider nur einen passenden Ausdruck: doof!” (Spiegel.de)

Und dann war da doch noch ein Fußballspiel. Es standen auf dem Platz:

Für die “Schwaben”: ein Schwabe, ein Russland-Deutscher, ein Portugiese, ein Franzose, ein Schweizer, ein Mexikaner, ein Franke, ein Bayer, ein Türke, ein Deutsch-Spanier und ein Rumäne (eingewechselt wurden zwei Brasiliander und ein Deutsch-Tunesier)

Für die “Badener”: drei Bayern, ein Schweizer, ein Sachsen-Anhalter, ein Badener, ein Ghanaer, ein Ungar, ein Westfale, ein Georgier und ein Australier (eingewechselt wurden ein Badener, ein Südafrikaner und ein Albaner)

Warum muss man von Seiten der Medien ein Fußballspiel derart aufheizen, dass Hundertschaften von Polizisten und Ordnern benötigt werden um die Fans ein paar Idioten im Zaum zu halten? Warum kann man sich nicht einfach über ein interessantes Match freuen? Warum kann man im Vorfeld eines solchen Derbys nicht einfach den Ball flach halten?

Der Stuttgarter Trainer Armin Veh lieferte ein schönes Beispiel, wie es auch gehen könnte - auf der Pressekonferenz vor dem Spiel sagte er: “Natürlich ist ein Derby etwas Besonderes, die Brisanz ist ganz anders. Aber da muss man ja dann nicht auch noch schüren und als Verantwortlicher mit emotionalen Sprüchen in der Öffentlichkeit das Spiel zusätzlich aufheizen”. (VfB.de)

Da waren kleine Kinder im Stadion - die einem mit blauen, die anderen mit roten Schals. Wie kann man diesen Kindern erklären, warum zwischen ihnen maskierte Polizisten stehen mit Schlagstöcken in der Hand und Helmen auf dem Kopf?

Ach übrigens: das Fußballspiel (die eigentliche Hauptsache) endete mit einem 3:1 für die “Schwaben”.

Mit dem Fernglas…

Halbzeitstand: Drei zu Null

Im Mai diesen Jahres tönte ein gewisser Uli Hoeneß noch in der gewohnt arroganten selbstbewußten Art:

Wir müssen dafür sorgen, dass nächstes Jahr wieder das Wehklagen einsetzt, wenn die anderen uns in der Tabelle mit dem Fernglas anschauen.

(Uli Hoeneß, Manager des FC Bayern München)

Zitat auf www.fussballer-reden-viel.de

Gestern beim Spiel hatte ich das Gefühl, dass Uli im Laufe der Saison eventuell noch selbst ein Fernglas brauchen wird…

Eine riesige Enttäuschung war für mich der FC Bayern übrigens nicht nur deshalb, weil sie spielerisch/kämpferisch nicht mithalten konnten. Nein, die größte Enttäuschung war, dass zahlreiche Bayern-Spieler übertrieben unsportlich/unfair aufgetreten sind. Die rote Karte für Lucio war nur der Gipfel von einem Berg unzähliger Frustfouls und Unsportlichkeiten (die in den Fernsehberichten nicht oder nur am Rand gezeigt wurden). Lukas Podolski wurde zur Halbzeit ausgewechselt, weil er nach dem 2:0 nur noch hirnlos frustriert um sich getreten hat. Die gelbe Karte hätte sehr wohl auch rot sein können. Auch Frank Ribery war über weite Strecken komplett ausgeschaltet und fiel meist nur durch versteckte Fouls auf.

Kurz gesagt: ich war von diesem FC Bayern einfach nur enttäuscht.

Der VfB Stuttgart hat mit dem 3:1 einen hochverdienten Sieg (und eine angemessene Bestrafung) erreicht.

VfB, ich steh zu dir

Echte Fans erkennt man nicht, wenn eine Mannschaft Deutscher Meister wird.

Echte Fans erkennt man, wenn es einmal nicht so läuft wie gewünscht.

Echte Fans pfeifen nicht !

 

“mir haltet zamme ganz egal was au kommt
VfB i steh zu dir
VfB was auch passiert
mir halted zueinander
nix und niemand tut uns weh
so sind wir - so isch der VfB”

VfB Fans