Polenallergie

Die Fußball-EM hat noch nicht angefangen, aber vereinzelt kann man schon kleine Anzeichen wahrnehmen, dass demnächst auch auf den Fußballplätzen in der Schweiz und Österreich angepfiffen wird.

Die Fußbälle rollen erst am Wochenende. Der gelungenste Doppelpass der EM wurde aber schon in den letzten Tagen gespielt. Schade, dass viele Zuschauer es nicht bemerkt haben…

Wovon ich rede? Aaaalso: unter anderem hier ist die Aufregung groß:

“Guter Geschmack scheint speziell in Polen ein Fremdwort zu sein” kann man dort als Kommentar zu den aktuellen Schlagzeilen in einer polnischen Zeitung lesen. Tatsächlich ist es reichlich geschmacklos, wie man bei “Fakt” die Leser auf die EM einzustimmen versucht.

Extrem naiv ist aber die oben verlinkte Reaktion auf die Geschmacklosigkeiten. Selbst mit minimalem Nachdenk-Aufwand hätte man auf die Idee kommen können, die geschmacklichen Entgleisungen nicht allen Polen anzulasten (”Pfui Polen”) oder allgemein “Polens ‘gute Kinderstube’” zu kritisieren.

Dazu wäre es noch nicht einmal erforderlich gewesen, den Doppelpass zu erkennen. Es ist doch nicht wirklich erstaunlich, dass die Geschmacklosigkeiten im Vorfeld der Begegnung Deutschland-Polen ihren Ursprung nicht in Polen haben. Vielmehr ist die Zeitung ‘Fakt’ ein Kind der Axel Springer AG.

Ooops! Worüber regt sich bei uns die Zeitung mit den großen Buchstaben also genau genommen auf (”Es ist einfach widerlich!”) ?

Letztlich war es doch so: da schreibt einer in der Firma geschmacklosen Blödsinn in polnischer Sprache. Und der Kollege in derselben Firma bedankt sich für den gelungenen Pass in den freien Raum und spielt ihn genauso geschmacklos und blödsinnig, aber in deutscher Sprache wieder zurück.

Ein gelungener Doppelpass - sicher wird man sich den Ball in den nächsten Tagen noch einige Male zuspielen. Den Spielzug hat man bei Axel Springer schon jahrelang geübt. Er funktioniert seit langem nahezu blind und sogar mit wechselnden Mitspielern - mal mit der türkischen Hürriyet, mal mit der britischen Sun.

Randbemerkung: das Zusammenspiel mit den beiden genannten Mitspielern drängt sich derzeit aber nicht auf, weil die türkische Mannschaft nicht in der deutschen Gruppe spielt und England sowieso in einer ganz anderen Gruppe ist.

Beim Fußball wie im richtigen Leben habe ich Mitleid mit den Spielbeobachtern, die die interessantesten Szenen übersehen oder nicht verstehen.

Licht an oder aus?

Licht aus

Für Bild und Pro7 soll heute zwischen 20:00 und 20:05 Uhr das Licht aus gehen.

Unsere Enkel werden richtig stolz auf unsere Generation sein. Nachdem das Problem seit Jahrzehnten bekannt ist*, ergreift man nun endlich Maßnahmen zur Rettung der Erde:

Zuerst wird “Klimakatastrophe” zum Wort des Jahres 2007 gewählt. Und wenn das die Welt nicht endgültig retten sollte, dann schalten wir eben mal schnell für 5 Minuten das Licht aus. Mit den besten Genesungswünschen an den Patienten Erde.

Beim besten Willen - ich sehe wirklich keinerlei Sinn in dieser Aktion. Komplett hirnlos unverständlich und der Gipfel der Aktion ist für mich die Tatsache, dass Pro7 live berichtet… Hä ? Licht aus - Fernseher an? Grandiose Aktion! In meinen Augen ist “Licht aus” ein Paradebeispiel für sinnlosen Aktionismus.

Auch andere sehen das ähnlich wie ich. Gut gefällt mir die Aktion Licht an! Hier findet man ein paar Ideen, wie man der Aktion “Licht aus” vielleicht etwas sinnvolles abgewinnen kann.

Na ja, vielleicht ist es ja auch schon einiges wert, wenn man die unsäglich hässlichen dauerblinkenden “Weihnachts”-Beleuchtungen in den Fenstern wenigstens für 5 Minuten nicht ertragen muss…

Nachtrag: der Blog-Beitrag von Stefan Niggemayer: “Greenpeace geht ein Licht aus” ist zwar schon ein paar Tage alt, ich bin aber jetzt erst auf ihn gestoßen. Sein Beitrag ist das Beste, was ich bisher zu dem Thema gelesen habe. Er kündigt seine Förder-Mitgliedschaft bei Greenpeace als Reaktion auf die Zusammenarbeit mit der Bild-Zeitung. Respekt!

* Ich kann mich erinnern, dass einer unserer Lehrer uns schon im Jahr 1985 ziemlich genau erklärte, dass es ein “global warming” gibt, und dass als Folge der Erwärmung Herbststürme in unseren Breiten deutlich zunehmen werden…