Archiv für Juni, 2008

Wenn es nicht so traurig wär…

Eine geniale Aufarbeitung des T-Skandals habe ich bei netzpolitik.org gefunden:

Ganz nebenbei eine schöne Erinnerung an die Spider Murphy Gang.

Polenallergie

Die Fußball-EM hat noch nicht angefangen, aber vereinzelt kann man schon kleine Anzeichen wahrnehmen, dass demnächst auch auf den Fußballplätzen in der Schweiz und Österreich angepfiffen wird.

Die Fußbälle rollen erst am Wochenende. Der gelungenste Doppelpass der EM wurde aber schon in den letzten Tagen gespielt. Schade, dass viele Zuschauer es nicht bemerkt haben…

Wovon ich rede? Aaaalso: unter anderem hier ist die Aufregung groß:

“Guter Geschmack scheint speziell in Polen ein Fremdwort zu sein” kann man dort als Kommentar zu den aktuellen Schlagzeilen in einer polnischen Zeitung lesen. Tatsächlich ist es reichlich geschmacklos, wie man bei “Fakt” die Leser auf die EM einzustimmen versucht.

Extrem naiv ist aber die oben verlinkte Reaktion auf die Geschmacklosigkeiten. Selbst mit minimalem Nachdenk-Aufwand hätte man auf die Idee kommen können, die geschmacklichen Entgleisungen nicht allen Polen anzulasten (”Pfui Polen”) oder allgemein “Polens ‘gute Kinderstube’” zu kritisieren.

Dazu wäre es noch nicht einmal erforderlich gewesen, den Doppelpass zu erkennen. Es ist doch nicht wirklich erstaunlich, dass die Geschmacklosigkeiten im Vorfeld der Begegnung Deutschland-Polen ihren Ursprung nicht in Polen haben. Vielmehr ist die Zeitung ‘Fakt’ ein Kind der Axel Springer AG.

Ooops! Worüber regt sich bei uns die Zeitung mit den großen Buchstaben also genau genommen auf (”Es ist einfach widerlich!”) ?

Letztlich war es doch so: da schreibt einer in der Firma geschmacklosen Blödsinn in polnischer Sprache. Und der Kollege in derselben Firma bedankt sich für den gelungenen Pass in den freien Raum und spielt ihn genauso geschmacklos und blödsinnig, aber in deutscher Sprache wieder zurück.

Ein gelungener Doppelpass - sicher wird man sich den Ball in den nächsten Tagen noch einige Male zuspielen. Den Spielzug hat man bei Axel Springer schon jahrelang geübt. Er funktioniert seit langem nahezu blind und sogar mit wechselnden Mitspielern - mal mit der türkischen Hürriyet, mal mit der britischen Sun.

Randbemerkung: das Zusammenspiel mit den beiden genannten Mitspielern drängt sich derzeit aber nicht auf, weil die türkische Mannschaft nicht in der deutschen Gruppe spielt und England sowieso in einer ganz anderen Gruppe ist.

Beim Fußball wie im richtigen Leben habe ich Mitleid mit den Spielbeobachtern, die die interessantesten Szenen übersehen oder nicht verstehen.

Es gibt keinen Gott

“Diese kleine Geschichte war vor einiger Zeit in einer bekannten englischen Tageszeitung zu finden:

Stell’ dir einmal eine große Mäusefamilie vor, deren Familienmitglieder alle in einem großen Klavier lebten, solange sie zurückdenken konnten. Ihre Klavierwelt war häufig erfüllt mit der wunderbaren Musik dieses Instrumentes - es war ein herrlicher, harmonischer Klang.

Zuerst waren die Mäuse davon ausgesprochen beeindruckt. Sie genossen die Musik und machten sich Gedanken, von wem sie wohl stammte. Ja, sie dachten gerne an den unsichtbaren Klavierspieler, den sie nicht sehen konnten, aber der ihnen doch so nahe sein musste.

Dann, eines Tages, machte sich eine besonders wagemutige Maus auf und erklomm die höher gelegenen Teile des Klaviers. Als sie von ihrem Ausflug zurückkehrte, war sie ganz in Gedanken versunken. Sie hatte herausgefunden, wie die Musik gemacht wird. Sie hatte das Geheimnis entdeckt: Metalldrähte ! Gespannte Metalldrähte verschiedener Länge zitterten und vibrierten und ließen so die Töne entstehen. So mussten die Mäuse ihren alten Glauben aufgeben: Keine der wirklich ernst zu nehmenden Mäuse konnte jetzt noch an den unsichtbaren Klavierspieler glauben.

Später sorgte eine andere Forschermaus für weitere Erklärungen. Jetzt waren kleine Hämmerchen das Geheimnis. Die Hämmerchen tanzten und sprangen auf den Metalldrähten. Diese neue Theorie war natürlich ein ganzes Stück komplizierter, aber sie zeigte besonders deutlich auf, in was für einer mechanischen und wissenschaftlichen Welt die Mäuse lebten. Der unsichtbare Klavierspieler wurde natürlich endgültig in die Welt der Märchen und Sagen verbannt.

Aber der Klavierspieler machte weiter seine wunderschöne Musik.”

(Rainer Haak)